Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 6 (1848))

Dic Verantwortlichkeit im Privatrechtc. 235
fordert und zwar bald diejenige, welche in der culpa des In-
dividuums liegt, bald diejenige, welche noch darüber hinauS-
geht, indem der Obligirte diligens fepn inuß, d. h. nach dem
Maaßstabe der diligentia bemessen wird.
Dies letztere trit immer ein, wenn es sich von einer ob-
ligatio faciendi handelt, weil bei der obligatio dandi solche
Rücksichten gar nicht zu nehmen sind, indem hier Alles objektive
liegt, d. h. es blos darauf ankömmt, daß kein casus da fey.
Hiernach läßt sich auch bald erkennen, was culpa omnia
ist, und die Schwierigkeit liegt nur in der Beweislast. Der
Kläger muß immer den Schaden und die abstracte Schuld be-
weisen, der Beklagte aber muß darthun, daß er fleißig war,
gleichsam um den Gegenbeweis zu führen, oder daß er in con-
creto fleißig war, in derselben Rücksicht. — Nur hat man lei-
der diese Begriffe nach der neuesten Dogmengeschichte nicht
immer so aufgefaßt, wie sie hier liegen.

§. 3.
Das neueste Recht.
Die Philologen des sechzehnten Jahrhunderts berührten
diesen Gegenstand wenig: viele wollten die I. 23. D. de R. J.
interpretiren: Donellus ahndete, es könne Jemand strenger
verbunden seyn in non laciendo wegen der diligentia, wie
in faciendo, aber ohne guten Grund; die Praetiker oder der
nana modcrnu8 nahmen einen dreifachen Zustand an culpa lata,
levia et levissima mehr durch Worte, namentlich durch die
1. 44. S. 9. 2. und durch diligentia, die über die gewöhnliche
culpa gestellt ist, wie durch die Sache selbst verführt.
Auch die Franzosen machten diese Unterschiede, wie man
noch bei den neuesten Schriftstellern, z. B. Carriere de
contractibus ') pag. 180. et sq. sieht; allein der Lode
selbst überläßt mit gutem Grunde Vieles aber nicht Alles der
Jurisprudenz: vielleicht interessirt es die neuesten Juristen,
dasjenige zu kennen, was der Lode im Einzelnen bestimmt, da
ja die jetzt herrschenden deutschen Ansichten bekannt genug sind.

i) Lovanii 1846

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