Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

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jetzt in ihrer Formlosigkeit besteht?
rauf, daß uns das neueste französische Recht den wahren Weg
längst angezeigt hatte. Dies ist in der That auch der Grund,
warum wir diese Schrift schreiben mußten; sie stellt und be-
weißt nicht nur eine alteWahrheit; sondern berichtigt uns
selbst.
§. 14.
Einiges über die innere Natur der Rechtsgeschäfte.
Auch hier können große Veränderungen im Laufe der Zei-
ten Vorgehen. Homer und die römischen Juristen erzählen
uns, daß unter den älteren Völkern das Comnmtativverhält-
niß der Tausch war, so daß erst später das Meiste mit der
Bedeutung des Geldes Geldgeschäft wurde. Im römischen
Rechte selbst aber erhielt sich der Gegensatz, denn man sah
bald ein, daß derjenige, welcher eine Geldleistung zu machen
hat, Nichts in diespecies, sondern Alles in sich selbst als
dieQuelle seines Vermögens setzt. DerSatzistwahr
und bleibt wahr — ein Geldgeschäft ist etwas andres als
ein Verkehrsgeschäft mit speciellen Maaren. Allein gerade
die Juristen, sowohl die neueren Gesetzgeber , wie die Gelehr-
ten achteten nicht darauf, und so wurde Alles nach der Natur
des Kaufgeschäfts beurtheilt, wie wir gleich ausführen werden.
Practisch ist die Sache sehr wichtig nicht, weil jetzt das Kauf-
geschäft fast Alles umfaßt, aber wichtiger ist und bleibt die
Sache von dem theoretischen Standpunkte. Wenn bei dem Kaufe
der Käufer nur Geld gibt, so ist nämlich
1) wahr, daß die Gefahr der erkauften Sache gleich auf
ihn übergeht, nam periculum est ejus, cüi species debe-
tur , dagegen
2) dex Verkäufer hat keine Gefahr, weil der Käufer ihm
nur Geld zu prästiren hat.
Dieses Verhältniß läßt sich also nach römischem Recht
nicht auf den Tauschvertrag anwenden, wo jetzt, weil eine praes-
tatio der einen Seite nicht nöthig ist, schon der Vertrag die
obligatio perfect und civilis macht, und zwar so, daß jeder
der beiden Contrahenten die Gefahr der eingetauschten spe-
cies übernimmt.
Daraus folgt dann weiter, daß damit auch das Verhält-
niß der Entschädigung oder des Surrogats zusammenhängt,
RoßHirt. Zeitschrift. Bd. VI Heft2. 14

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