Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 6 (1848))

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jetzt in ihrer Formlosigkeit besteht?
wiesen haben als des Verfassers Gegner, und dies ist gewiß
in unserm Falle der gründliche Noodt, dessen Ansichten der
Verfasser dieser Abhandlung bloß vorausgesetzt hat. Dabei
bemerkt Noodt ganz vorzüglich richtig, nur von diesen liberato-
nschen pactis sey die Rede, wenn der Prätor erklärt habe,
er wolle auch durch eine Erception nicht erhalten jene pacta
injusta, quae sunt dolo malo facta.
Schätzbar ist uns dessen Darstellung; allein sie bekümmert
sich um unsere Hauptfrage nicht, um die Gültigkeit der Ver-
träge an sich und ohne Reurecht. —
§. 9.
Praxis in den Zeitläuften der Dogmengeschichte der
zweiten Periode.
I. In Italien muß man durchaus Rücksicht nehmen auf
das Statutarrecht, wie dieses im II. Bande unserer Rechts-
geschichte des Mittelalters geschehen ist.
II. In Frankreich gilt das Rechtssprichwort:
On lie les boeufs par les cornes et les hommes par
les paroles: et autant vaut une simple promesse ou
convenance, que les stipulations du droit romain.
Man vergleiche Loysel institutos contumieres t. I.
pag. 359.
Man berief sich dabei sogar auf die Ansichten der Glos-
satoren, die den Vers früher gekannt hätten:
Verba ligant bomines, taurorum cornua funes
Cornu bos capitur, voce ligatur homo,
allein es läßt sich sehr leicht annehmen, daß die Glossatoren
hier an die verborum obligationes gedacht haben.
Ganz anders stand die Sache freilich in Frankreich und
Spanien, wo man dieselben Verse in der Volksmundart hatte,0),
und wo man nur an die ausdrückliche Erklärung der Par-
thei dachte.
Merkwürdig ist jedoch für Frankreich das Verhältniß der
nausa. Die Franzosen sahen nämlich ein, daß eine stipula-
tion non causee entkräftet werden konnte durch die exceptio

10) z B. in Spanien: Al buey por el cuerno, y al hombre per ei
vierbo.

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