Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 6 (1848))

200 Woher kömmt es, daß das Wesen der Verträge
tend, sondern als constrnirend in dieWissenschaft und
in das Leben. Sehr natürlich war es dabei, daß man hier
das Bestehende wenig achtete, wenn man nur die Vergangen-
heit erkannte. Es fehlte daher auch nicht, das römische System
allmählig besser zu erkennen, wenn man auch zu viel am Sy-
steme der Institutionen hielt; allein man begriff gerade nicht
seine Zeit, wie dieses dem Philologen in allen Zeiten beschie-
den ist. Läugnen wollen wir nicht, daß die besseren Köpfe dieser
Zeit wohl auch die unmittelbare Vergangenheit in Betracht
nahmen, namentlich die Glosse, den Paulus u Castro, selbst
den Bartolus: allein sie fehlten auf zwei Seiten, einmal,
indem sie nicht die Tradition ehrten, sondern nur dasjenige
aus den Schriftstellern der Vergangenheit nach ihrer Vernunft
Herausnahmen, was ihnen nach ihrer subjektiven Philologie
das Beste schien, das andremal, indem sie nicht die einzelnen
Ansichten citirten, sondern ohne Citat nach dem Strome ih-
rer Rede Alles zusammenfaßten. Und der Meister ist hier in
der That Cujacius, obgleich er sich nicht, wie einige deut-
sche Juristen, z.B. v. d. Pfordten zu entschuldigen brauchte,
daß er deßhalb frei schreiben dürfe, weil er sich schon anders-
wo in einer einzelnen Lehre als Literarhistoriker erwiesen habe8).
Und dabei erkennt man gleich den Punkt, der jetzt durch die
philologische Manier verwischt wurde: die Frage: gilt noch
die I. 8. v. 19. 3. oder gilt sie nicht und warum? Dieser
Punkt nämlich wurde in der II. und III. Periode so unkennt-
lich und so verwirrt gehalten, daß erst in der III. Periode der-
selbe zufällig wieder angeregt und selbst bis zu den anerkann-
testen neuen Schriftstellern nicht so entschieden ist, wie er schon
aus der literarhistorischen Kenntniß der ersten Periode hätte
entschieden werden sollen.
8. 8.
Fortsetzung.
Es wäre uns sehr leicht möglich — einer Menge Schrift-
steller der zweiten Periode vergleichend hier zu gedenken: al-
lein es kömmt uns weniger darauf an, weil doch am Ende
der Eine de» Anderen ausschrieb, als vielmehr darauf, zu
8) Auch mit der Kenntniß unserer Literaturgeschichte steht eS in der
Regel schlecht.

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