Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

Woher kömmt es, daß daS Wesen der Verträge ic. 189
"er Nationalgeschichte treuer geblieben ist, wie das französische
Recht, welches gar nichts vom Bcgriffswesen des Vertrags,
sondern Alles von der Beweisfvrm abhängig gemacht hat, die
aber gerade auf die Wirklichkeit des Vertrags nach den Um-
ständen hinführt.
Die nachfolgende Ausführung wird dieses darthun.
§. 2.
Römisches System.
Das römische Recht hatte ein doppeltes Vertragssystem,
nämlich wie überall in seinen Erwerbungen theils iuris civilis,
theils juris gentium. In der ersten Hinsicht bildete die Ver-
tragöfor m die Hauptsache, der verborum contractus J), und
dasjenige, was ihm gleichgeachtet wurde, der literis eontrae-
tus: und auch der Consensual-Contractus gehörte hie-
her, denn er enthielt nur eine Ausnahme von der Form; die
Consensualgeschäfte im römischen Rechte waren nicht die Regel
vertragsmäßiger Verständigung: wie die Neueren darzustellen
Pflegen, sonder» nur ein paar Singularitäten für ein-
zelne materiell gehörig bestimmte Fälle, und die Wirkungen
aus diesen Geschäften wurden gerade so angesehen, wie bei
Stipulationsgeschästen: der Conscnsualcontractus war also eine
stipulatio taeita, und so gut man bei jedem Vertrage ohne
Rücksicht auf seinen Gegenstand eine stipulatio eingehen konnte,
so war diese Form bei den materiellen Verhältnissen der Consensu-
algeschäste nicht nöthig; die Sache wurde aber so angesehen,
als wenn von jeder Seite die stipulatio geschlossen worden
wäre. Daher hatte man die actio venditi und actio emti,
und jede dieser Klagen war für sich ständig eine directa 1 2).
In der andern Hinstcht nämlich, der des juris gentium.
kam es aus die Form gar nicht an; aber auch die Intention
genügte nicht, sondern nur die praestatio von dem einen

1) Wir wollen nicht auf den petus zurückgehen
2) Daß die Consensual - Eontraetus zu den negoliis bonae fidei ge-
rechnet wurden, schadet nichts: denn eben weil ber ihnen das hi-
storische »nd juristische Fundament bestimmt war, konnte man bo-
nam fidem unter den Contrahente» annchmen. Es handelt sich ja
hier nicht von dem Inhalt, sondern von der förmlichen Gültigkeit.
Indessen war es dieser Umstand der materiellen causa, der sie
später zu den contractus juris gentium hinübcrbrachte.

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