Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

170 Itfbcr das französische, rheinische und badische Civilrecht,
gatorischer Natur konnte nur formell durch stipulatio begrün-
det werden; liberatorischer Natur aber war das pactum ge-
nug. In Frankreich ist auch bei den obligatorischen einseitigen
Verträgen die Annahme des Gläubigers genug, der dann durch
die arrha, resp. durch eine Erfüllung von seiner Seite sich
und den Promittenten zweiseitig verbinden kann, d. h. so, daß
der Betrag der arrha den Gegenstand des Vertrages macht.
Natürlich muß dann auch der Gläubiger Schuldner werden,
indem er die arrha gibt; der Schuldner aber Hat darin den
Beweis seines Versprechens, und kommt von seinem Verspre-
chen nur los, wenn er die arrha znrückgibt, »nd noch einmal
soviel als Interesse zulegt.
Das französische Recht Hat dieses Alles beibehalten, sa so-
gar ausgedehnt, denn die römischen Consensualvcrträge sind im
französischen Rechte nicht Consensualverträge, die den stipula-
tiones gleichgchalten wurden; denn es gibt im französischen
Rechte gar keine formellen oder diesen gleichstehende Verträge
(etwa den Heirathsvertrag ausgenommen), sondern Alles wird
nach dem materiellen Standpunkte der zweiseitigen und einsei-
tigen Verträge behandelt, d. h. wer etwas kauft und einen
Theil der Kaufsumme bezahlt, hat das Recht, wenn der Ver-
käufer nicht erfüllt, den Vertrag zu resolviren und das be-
zahlte Geld zurückzufodern, oder auf die Erfüllung des Ver-
kaufes zu klagen. Von diesen zweiseitigen Verträgen unter-
scheiden sich denn vollkommen die Verträge, wo zufällig
eine Gegenleistung Vorkommen kann, oder wo der einseitig Ver-
sprechende etwas vom anderen Theile voraussetzt, was als
eine Bedingung, also auch als zufälliger Umstand anzu-
schen ist. Hier ist Oo laeto eine Zweiseitigkeit, nicht aber 60
jure.
Nach dieser Ansicht ist denn Alles unrichtig, was selbst
Toullier der französischen Classification vorwirft, die in ei-
nem recht richtigen Standpunkte gefaßt ist.
8. 23.
Von den Verrnögcnsverhältnissen in der Ehe.
Diese Lehre ist deßhalb eine der schwierigsten, weil das
System der communaute nur aus den feinsten Richtungen
der französischen Rechtsgeschichte erklärt werden kann, sodann

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