Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

148 Ucber das französische, rheinische und badische Civilrecht,
Daher kömmt es denn auch, daß die Anwendung des ger-
manischen Rechts auf den Co de eine ungeheuere Umwandlung
im Laufe der Zeit erhalten wird. Nichts ist hinfälliger, als
wenn einige jüngere Schriftsteller, genährt in der historischen
Manier der Deutschen, die Vergangenheit und den Satz: Io
mort saisit le vif vortrefflich finden (Nenaud) — besser
würden sic thnn, wenn sie gezeigt hätten, wie dieser Satz
jetzt im französischen Rechte (im Lode) zu verstehen sep.
Wir geben nur ein paar Beispiele:
Der Erbe, indem er die propres bekam, mußte freilich
alle Schulden tragen, die darauf lagen: in die anderen Schul-
den aber trat er nicht ein, wenn er sich nicht besonders dazu
verpflichtet hatte; daher mußten diesen Punkt die Gläubiger er-
streben, und vorsorglich auf ihre Ansprüche denken; hatte der
Erbe sie zu übernehmen erklärt, so war cs eine Novation (Art.
879.) — wollte er auf daS ganze Vermögen einwirken, muß-
ten die Gläubiger dabei sepu u. s. w.
Richtig hat der Code alle diese Ansichten behalten, aber
er hat ihre Schwungkraft weder in den gelehrten Arbeiten
noch in den arröts gezeigt. So sind jetzt die zwei ersten Sätze
zu erklären, und nicht anders.
Ja sogar ist Tronchet in daö römische Princip verfal-
len, weil er dazu gedrängt wurde: man sehe die Lehre über
den Pflichtthcil. Allerdings hatten die Verwandten als solche
die reservo, und konnten schon beim Leben des Eigenthümers
verhüten, daß er nichts verschenkte: allein dieser Punkt ist ver-
nichtet, eben weil Alles zu Allod geworden ist, und jetzt ist
die reservo ein Pflichtthcil des Erben, d. h. die querela in-
officiosae donationis kann erst nach dem Tode des Betheilig-
ten angestellt werden. Manche Controverse» müssen lediglich aus
diesem Standpunkte entschieden werden, z. B. der Rescrveerbe
kann seinen Pflichtthcil fordern, wenn er Erbe wird: wenn er
nicht Erbe ist, darf er die Schenkung behalten, soweit der Testator
schenken konnte: und kann nicht seinen concreten Pflichtthcil fo-
der» : Das Wartrecht besteht nicht mehr: es ist das römische Ver-
hältniß des Pflichttheils, welches jetzt hervortritt. Nicht wollen
wir leugnen, daß jene große Zeit der Zusammenfügung des
Lode es war, welche eine Art juristischen Jnstincts über Frank-
reich ausgoß, und wobei es nicht der Zweck der Gegenwart

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