Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

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turgeschichte des römischen Civilrechts bis hierher Vieles geschehen
ist, in der Literatur des kanonischen Rechts noch Manches zu leisten
war. Endlich erhält auch erst in diesem Kreise deö Wissens das
Notariat seine wahre Stellung und Begründung, in ihm zeigt sich
die praktische Virtuosität des Mittelalters.
So ist es daher gekommen, daß wir entschlossen wurden, unsere
Forschungen in drei Bänden der gelehrten Welt vorzulegen:
I. in dem geistlichen Rechte, auö welchem nicht nur die
Grundsätze des Kirchcnrechts und der Hierarchie, sondern auch die
Grundlagen für viele Theile des öffentlichen Rechts, namentlich
für Prozeßrecht und Strafrecht kommen.
II. in dem w eltlichen Rechte, d.i.dem römischen Rechte
der mittelalterlichen Auffassung, dem stongobardischen Land- und
Lehenrechte, dem Rechte der Kaiser und der italienischen Städte.
HI. in der theoretischen und praktischen Fertig-
keit des Mittelalters. Literatur und Notariat.
In unsern Tagen ist auch in Deutschland schon gemäß der neue-
ren Philosophie und räsonnirenden subjektiven Historie in das Stu-
dium des Rechts eine Art von Reformation getreten, die ihr Gutes
und ihr Schlimmes hat. Das Gute besteht darin, daß viele Ge-
lehrte das römische und das canonische Recht besser erklären, als
diese beiden Rechte in der besten Zeit der neueren Wissenschaft er-
klärt worden sind: denn aus der Asche kömmt der Phönir; dagegen
besteht das Schlimme darin, daß vielen Gelehrten nunmehr eine
tiefere encyclopädischeRechtsbildung fehlt, und der objektive
Standpunkt der Rechtsweisheit für unsere Zeit gänzlich entschwindet,
woraus es kömmt, daß man in einzelnen Theilen der Rechts-
wissenschaft, wofür die Vorliebe steht, viel zu viel construirt und
conjecturirt. Gerade für diese unsere Landsleute ist ein Zurück-
gehen auf die Geschichte des Mittelalters, ja sogar auf das
Studium der Glossatoren des römischen Rechts wichtig. Die
andern Nationen sind hier viel praktischer.
Möge man diese Bestrebung für den Anfang einer Unterneh-
mung achten, die gewiß bald weit bessere Nachfolger finden wird.

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