Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

Die Quellen des sogen. Familienrechts in Deutschland. 109
der Vormund für einen über die Unmündigkeit erhobenen mi-
nor : weil namentlich bei dem minor durch die deutschen Reichs-
gesetze in Hinsicht auf dessen Vermögen Alles an die Einwilli-
gung des curator gebunden ist. Man darf also unbedenklich
bei der Meinung stehen bleiben, daß die auctoritas tutoris
in Deutschland Nichts mehr gilt, vielmehr die Vormundschaft
überall sowohl bei pupillis wie bei minoribus gleich ist.
Ein einziger Punkt könnte die Sache zweifelhaft machen:
der tutor mußte mit dem Pupillen hereditatem ceruiren, und
als diese Form aufhörtc, auch die hereditas antretcn, und
selbst dieses war eine solenne Handlung, wenigstens nach
I. 77, D. 50, 17.
actus legitimi, qui recipiunt diem vel conditionem,
veluti mancipatio, acceptilatio, hereditatis aditio:
etc.
Allein cs ist eine bekannte Sache, daß der curator eines
furiosus b. possessionem für diesen suchen konnte, und so
konnte dieses gewiß auch der tutor pupilli thun, und wenig-
stens dadurch dcur Pupillen und dessen Erben die angefallene
Erbschaft sichern.
Folglich fällt auch dieser einzige und letzte Punkt, weßhalb
man eine auctoritas im neuesten römischen Rechte für noth-
wendig erklären könnte, weg.

§. 29.
Von den Contutoren.
Die Lehre von den Contutoren im römischen Rechte beruht
darauf, daß das Wesen der Tutel in der auctoritas besteht,
in welcher Beziehung jeder tutor für sich und ohne Rücksicht
auf die Mittutoren handeln kann. Jnsoferne ist also die con-
tutela keine Gemeinschaft, und daher werden in dieser Rück-
sicht die gewöhnlichen tutores, ferner die honorarii und no-
titiae causa dati so unterschieden, daß jeder von ihnen ohne
Rücksicht auf den andern auetoriren kann. Sie heisen daher
auch jn dieser Richtung nicht contutores, und gleichsam durch
einen sicheren praetischen Taet — ohne alle historische Einsicht
haben die Franzosen entschieden, daß es bei ihnen einen
t'itor honorarius oder notitiae causa datns nicht geben
solle. 5

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