Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

Die Quellen des sogen. FamMenrechtS in Deutschland. gg
wonium oder auch durch Rescript gerechtfertigt ist: die Adop-
tion aber in der römischen Richtung wurde in Deutschland
mehr ein Institut des Alumnats, obgleich man, um an be-
stimmten Vorschriften zu halten, das geschriebene oder römische
Recht in seinen Einzelnheiten in der Form und in den Wirkun-
gen selbst nach der l. 10, Cod. de adopt. 8, 48, nicht aus
den Augen ließ. Es war dieses dieselbe Rücksicht, welche man
auch bei den Peculien hatte. Allein wem fällt es denn heut-
zutage noch ein, von einem peculio castrensi und quasi-
vsstrensi zu sprechen? Im preusischen Gesetzbuche steht, daß
ein Lieutenant noch der väterlichen Gewalt nicht entlassen sey,
— nun hier könnte man vom peculio castrensi sprechen;
allein in der That vereitelt alle diese Rücksichten die sogenannte
«mancipatio germanica.
Und wenn in der neusten Zeit die Idee selbst der Roma-
nisten Wurzel geschlagen hat — das peculium adventitiam
sey ein eigenes Gut der Kinder, woran der Vater nur Nies-
brauchrecht hat; ist diese Idee nicht den germanischen Gewohn-
heiten entsprechend und wird mehr dadurch bekräftigt, wie durch
eine historisch-exegetische Ausführung aus dem römischen Rechte?
§. 19.
Vom gemeinen deutschen Privatrecht.
Nichts hat der praktischen Entwickelung des fetzigen Rechts
der Familie mehr geschadet wie die erst im 18. Jahrhunderte
entstandne Darstellung einer eigenen künstlich gebildeten Rechts-
wissenschaft des gemeinen deutschen Privatrechts.
dadurch wnrde
a) der usus modernus der Pandecten erstickt, und die
gelehrten Romanisten erfreuten sich darüber, namentlich der
Uebergang der Romanisten in die rechtöhistorische Schule.
b) Man wußte nicht mehr, was consuetudo generalis
fey, fa man kam auf die Streitigkeiten in der Babylonischen
Sprachverwirrung zwischen dem Juristenrecht und dem Volks-
kecht. Die consuetudo generali« war nichts anders als das
aus dem Volke kommende durch die Juristen über das recipirte
Recht erhobene und erhaltene Recht in den meisten Lehren des
Privatrechts. t
c) Das deutsche Privatrecht selbst, um eine Wissenschaft zu
werden, sollte aus einer Abstraction der Particularrechte gebil-

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