Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 6 (1848))

Die Quellen des sogen. Kamilienrechts in Deutschland. 93
Reihe einzelner Folgen auseinandergelegt hat, besteht in den
Folgen noch fort, wenn auch das Princip vertilgt ist, und der
Tedanke cessante ratione legi«, cessat lex ipsa ist unter
den mehr vom Schicksale getriebenen als durch Ueberlegung han-
delnden Menschen ein falscher, von den Juristen sogar verwor-
fener Wahn.
So ist es denn gekommen, daß man keineswegs sagen
kann, die patria potestas des römischen Rechts sey abgekom-
Men, aber daß man auch nicht sagen kann, sie bestehe: viel-
mehr gelten unter uns einzelne Grundsätze, die aus dem römi-
schen Rechte genommen sind, andre aus den Gewohnheiten uns-
res Volkes: der Begriff „väterliche Gewalt" ist aber ein and-
rer geworden, als er bei den Römern war.
Um nun das väterliche Recht, wie es setzt besteht, zu über-
sehen, sind folgende Verhältnisse wichtig:
1) die persönliche Gewalt des Vaters über die Kinder mit
ihrem Ende. Sie bestimmt die Natur derselben,
2) das Recht des Vermögens in absoluter Hinsicht und
Mit der Richtung auf das Obligationenrecht zum Vater. Da-
bei das Recht des Gerichtsstands,
3) die künstlichen Erwerbarten der väterlichen Gewalt.
§. 16.
ad 1. Der Vater hat kein jus publicum über die Kin-
der. Dies hat der Staat als freies Recht über seine Untertha-
Nen an sich gezogen. Das jus privatum ist ein Erziehungs-
recht und hört auf, wie die Erziehung vollendet ist. Die emau-
m'patio germanica bezieht sich lediglich auf dieses Princip.
Das Ende eines Rechts constituirt die Natur des Rechtes selbst.
Wenn nun auch gerade in dieser Hinsicht Manches aus dem
römischen Rechte übrig geblieben ist, wie z. B.
a) daö Einwilligungsrecht in die Ehe, doch nicht mit allen
Folgen des römischen Rechts,
b) die Pupillarsubstitution,
so sind diese Rechte nicht mehr reine Entwickelungen aus der
putria potestas, sondern sie sind nur Rechte der Vorsorge,
Mie namentlich dieselbe Vorsorge schon im sustinianischeu Rechte
dvn Seite der Ascendenten für die geisteskranken Dcscendenten
angenommen ist.
R o ß h i r t, Zeitschrift. Bd. VI. Heft I. 7

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer