Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

94 Die Quellen des sogen. Familienrechts in Deutschland.
eine eigene Rcchtögewohnheit vorkam, wodurch für die Wittwen
Sorge getragen wurde. So geschah es denn, daß die dos für
sich stand, und nur den Zweck hatte, wahrend der Ehe den
Mann zu decken, und nach der Ehe an die Frau oder deren
Erben zurückzufallen.
Ob der Vater schuldig ist, eine dos zu bestellen, kann be-
jaht werden, ebenso unter gewissen Umständen, d. h. (wie wir
jetzt überzeugt sind, nur für den Fall, wo die Mutter hethe-
rodoxa und die Tochter eine orthodoxa ist), ist auch die Mutter
verpflichtet, aber die dos wirv als eine Anticipativn und resp,
Vorempfang der Tochter gegeben, und ist deshalb eine ad-
ventitia, weil sie der Tochter gehört, auch wenn sie enterbt ist.
Der Mann wird Eigenthümer der dos, aber der Frau
bleiben alle Privilegien, welche zu der Sicherheit der dos im
justinianischen Rechte gegeben sind, namentlich die vindicatio,
die Hppothekarklage und der Hypothekarvorzug.
Wo das römische Dotalrecht gilt, d. h. die Trennung des
Vermögens der beiden Eheleute, findet auch des Mannes mun-
dium nicht statt, sondern die Frau steht hinsichtlich ihrer Para-
phernalgüter frei und unabhängig.
Am ineisten beschränkt ist das jus publicum, welches im
römischen Rechte über dem Ehevertrag stand, denn
a) die stipulatio ging nur de dote reddenda,
b) das pactum mußte bei der illatio der dos, die gleich-
sam ein Rcalcontract war, geschlossen werden, und war auch
nur ein paetum adjectum de reddenda dote:
Dagegen konnte Nichts bestimmt werden über die Natur
der dos während der Ehe, und namentlich konnten die Rechte
des Mannes nicht erweitert und nicht beschränkt werden : schon
deshalb nicht, weil sonst Alles in den Begriff der verbotnen
Schenkung gefallen wäre. Und dieses publieistische Verhält-
niß blieb, denn als die Lehre von der donatio auch erleichtert
wurde, änderte dieses nichts an der Bedeutung des Ehever-
trags ab.
In Deutschland ist der Ehevertrag ganz frei, aber es kann
dem Manne nichts gewährt werden, was seinen dolus begün-
stigen würde. Sodann kann im Ehevertrage, wenn das Do-
talsystem angenommen ist, nicht festgesetzt werden, daß eine
donatio inter virum et uxorem gültig ftp, denn der Wff

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