Full text: Volume (Bd. 3 (1839))

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samkcit im Prozesse zuschanden, scyso geht eben daraus her-
vor, daß die Stipulationen eine ihre ursprüngliche Natur Lider-
strebende Richtung genommen hatten. Nur die Wissenschaft
hielt daher auch die alte Richtung der obligatio ex stipulatu
aU stricti juris obligatio aufrecht. Iustinian selbst ging schon
darüber weg / z. B. in seiner Constitution über die artio de
«lote "), in der schwankende» Darstellung der ganzen Sache
in de» Institutionen u. s. w., und so ist cS für das deutsche
gemeine Recht für daS Svstem der bona fides sehr wichtig,
daß diese Verwickelung mit den Stipulationsobligationen gänz^
lich wegqefalleu ist.
Hieraus geht wieder hervor, wie unrichtig die gewöhnliche
Behauptung ist, jeder Vertrag sey bei uns, wie die römische
Stipulatio zu betrachten, indem unser Vertragssystem auch
nicht einen Gedanken von dem strictum jus mehr hat, die ein-
zigc Nebenrichtung abgerechnet, wo die Rückforderung bei den
sogenannten Innomminatkontracten durch Condictio« geltcud
gemacht werden soll, wo dann aber eigentlich gerade die Natur
der Vertragsobligatio in evneretogeläugnetwird. Unsre Ver.
träge sind, wie schon einmal von uns ausgeführt worden, ne-
ben den römischen Cousensual-Contracten Verabredungen stche.
rer Art mündlich oder schriftlich aber immer ausdrücklich ge-
fchchen über Object und Intention — oder, wo cö hieran
fehlt, wird die Perfektion aus der Leistung deS einen und der
Annahme deS andern ThcilS wie bei den Römern gefolgert.
Nunmehr ist es Zeit den Karakrcr des Obligationenrechts
nach dem bonae fidei System kurz und als Einleitung zum
Folgenden darzuftcllen:
I. Die bon» fides setzt immer erlaubte Geschäfte voraus,
und die Lehre von den Folgen des Delikts gehört dem strictum
jus an, d. h. das Delikt führt immer zur condictio, oder zum
Interdikt: aus dem letzter» kann freilich ein srditrium ent*

6) Darüber steh die berühmte lex lecta (4o) D. 12. i.
~) Daß er die hereilitaii» petiiio für eine b. f. »nio erklärte
ist kein geringer Beitrag zu unsrer Anstchr, daß nickt mehr di«
bereditns wie früher als ein re» corporali» ßngirt, sondern du
bere«liu«ii» peiiüo auf einen Inbegriff von Rechten gerichtet
wurde, und daher nicht mehr mere teali* ist.

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