Full text: Volume (Bd. 3 (1839))

Gesetzgebungen, besonders des Code als badisches Landrecht. 385
gene Vorschrift bei den TestamentSzeugen über die Ver-
wandtschaftsverhältnisse besteht, nicht aber für andre Ge-
schäfte in derselben Richtung, und wobei doch manches Be-
denken entstehen kann, ob nicht die allgemeinen Eigenschaf-
ten der im Prozeße gefodertcn Glaubwürdigkeit gerade in
dieser spcciellen Beziehung da scyn müssen u. s. w. Außer-
dem hatten wir dasjenige, was von dem französischen Rota-
riatSwesen auf uns übergegangen ist, nämlich daS AmtSrevi-
soratS- und Theilungü-CommissariatSwesen deshalb für sehr
nachtheilig, weil der Bürger im vollen Vertrauen bei sol-
chen Personen sich RarhS crhohlt, wobei nicht fetten in an-
scheinender Einfachheit eine große Feinheit des Recht- ver-
borgen liegt, so daß dann der Rathende sorglos dahin geht,
während der RechtSgelehrre feine etwaigen Skrupeln durch
darauf berechnete Cautelen beseitigt hätte. Man denke z. B.
an die Feinheit der Lehre von der elterlichen Theilung. be-
sonder- wenn sie nicht über da- ganze Vermögen, sondern
über einen Theil desselben geht, und der Vater Eine- der
Kinder au- guten Gründen begünstigen will. Auch sieht
man nicht selten, wie der ängstige Staar-schreiberei.Ver-
walter in ganz einfachen Geschäften, z. B. Inventuren sich
abmühet und abweiler, wa- dem Richter ganz leicht von der
Hand geht, weil er gleich sieht wo ebener Weg ist.
Im Allgemeinen darf man annehmen, daß, wo der badi-
sche Gesetzgeber die Institute nicht harre, auf welchen eine
Lehre de- Code berechnet ist, die Anwendung zu de» kläg-
lichsten Resultaten führt. Die- begegnet un- ganz beson-
ders in der Vormundschaftslehre. In Baden ist kein Fa«
milienrath, kein SraatSanwalt: um da- Uebel zu vermehren
har man die Geschäfte zwischen den Aemrern und Waifen-
richrern getheilt, und daS ganze Institut der Waifenrichter
ist nicht- nutz. Auch in solchen Dingen ist eine Revision
de- LandrechtS unumgänglich.
Am wenigste« unter allen Lehren wird das französische
Erbrecht verstanden: auch hier kan» man sagen, die Anwe».
düng mag über die große Masse der Inkonsequenzen weg-
kommeu; allein nur, wenn man durch das Studium des rö-
mischen Recht- in dieser Lehre sei« judicium geübt hat.
Wir bemerken daher, daß Viele- am römischen Rechte, «a-

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