Full text: Volume (Bd. 3 (1839))

361 lieber den Bcsitz nach dem Co.le und nach der badischen

in dem Dccrckalcn Titel <le s>r«d,ationiln«s vorkommc. AlS
wenn die bekannte Stelle über die Richtung der condictio
indebiti, die in dcnl Pandcclciititcl «ft* probat, verkömmt, des-
halb nicht nach der Natur einer crcstouiatischcn Compilation
ihre volle Bedeutung haben tönrue. Im übrigen gibt auch
Bayer zu, das, tnan die Sache immer anderst verstan-
den habe: ebne iedoeh etwa» über den natürlichen Grund
der germanischen Ansicht anzusührcn.Freilich sagt auch
die kanonische Stelle selbst Nichts davon, sondern bezieht
stch vielmehr auf den Jnterdictsprozeß, allein sie sagt doch,
das römische interdictum uti possidetis müsse weichen,
„non sic locum esse interdicto, uti possidetis, ut dicere
debeamus, uti possidetis, ita possideatis“ — sie sagt, daß
über den Besitzschutz nach römischem Rechte ein andrer aus
einer possessio titulata et antiquior gehe. Ein gewöhnli-
cher Fehler ist, statt anzuerkcnncn, daß in Deutschland die
meisten Institute des germanischen Rechts aus der Praxis
verdrängt worden, Mifiverständnißc des römischen RechtS
anzunchmcn, und das Unglaubliche in der Interpretation
kanonischer und deutscher Stellen zu thun, um sie mit dem
besser verstandenen römischen Rechte, in stillen Einklang zu
setzen- Um die Dogmengeschichte des Civilrechtö besser zu
verarbeiten, ist ein Blick auf die Praxis des französischen
RechtS von eben der Wichtigkeit, wie der Rückgang auf die
italienischen Practiker nach den Glossatoren, und sehr merk-
würdig bleibt, daß in Deutschland das römische Recht zu-
letzt erst in volle Herrschaft gekommen ist, wo eS durch
schriftstellerische Verarbeitung, besonders der franz. Schule,
so kräftig geworden 'war, daß die deutschen. Gewohnheiten
und Begriffe durchaus niedergedrückt wurden. Wir wollen
hier nicht untersuchen, ob die possessio titulata et anti-
quior überhaupt zu dem römischen Systeme paßt, ja wir
glauben, daß der deutsche Begriff von Gewer da gar nicht
gebraucht werden kann, wo von den römischen Begriffen,
Eigenthum, prätorischeS Besitzrecht, und Besitz überhaupt
die Rede ist, wir wollen uns Glück wünschen, wenn die

10) Rur nebenbei in einer Note bemerkt er, daß Einige eine
germanistische Anstcht als Grundlage vertheidigen.

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