Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 3 (1839))

Gesetzgebung mit einigen allgemeinen Vemerkungen re. 361
Gelehrte glaubt, daS kanonische Rechtsmittel habe im Mit-
telalter keine allgemeine, daS römische Recht corrigircndk
Bedcntttng gewonnen, sondern scy gleichsam, nnr anSnahmS-
und crgänznttgSweise auf Reallasten und solche Servituten
anwendbar, für welche das intenlictum ui i possidetis und
ein andres specielleg Interdikt nicht begründet scy, so kön-
nen wir nicht mit ihm übcrcinstimmen. Das kanonische
Rechtsmittel hat denselben Zweck wie daS römische, und
auch sei» Fundament ist in eben der Weise dasselbe, indem
die violenti» und der FriedenSbruch sich wenig von einander
unterscheiden: allein daS kanonische Rechtsmittel als ex-
ceptio und Lelio will Nichts in Beziehung auf daS römi-
sche Recht ergänzen, sondern den faktischen Zustand, der
durch FriedenSbruch gestört wird, überall schützen, wo auf
solche Weise die Were beeinträchtigt wird. Darnach er-
klärt stch dann auch der Umfang des Rechtsmittels, und daß
^eS auf Verhältnisse nicht geht, wo keine Störung der Were
statt findet, wie bei Gedingen. Auch ist gewiß, daß niemals
^ie Praxis die Sache so construirt hat, wie jetzt Savigny
«sie construirt, nämlich daß für körperliche Sachen das rö-
mische Interdiet, für gewisse Servituten gewisse Interdikte,
für andre Rechte aber die kanonische Spolienklage statt finde,
denn in der Thal auf solche Weise und gewiß nicht, wie
Savigny meint, durch die Auffassung der allgemeinen Be-
deutung des canonischen Rechtsmittels hätte die größte Ver-
wirrung und Unnatur entstehen müssen. Wo hätte je ein
praktischer Jurist daran gedacht, daß für die Servituten?
in Beziehung auf welche im 43. Buche der Pandekten In-
terdikte nicht genannt find, und für die germanischen Rechte
darneben eine eigene Rechtsbildung in Beziehung auf das
possessorische Verfahren statt gefunden habe? Man inrer-
pretirre theilS eine Allgemeinheit in daS römische Intern
dietSrecht hinein, theilS, und dies geschah von der Mehr-
heit, nahm man auS dem canonischen Recht, alS ein allgemei-
ne- Rechtsmittel, daS remedium spolii hervor. Die- Alle-
wird dann wieder bekräftigt durch das französische Recht
und durch alle Schriftsteller darüber von kotkier rückwärts,
und wenn sie auch weder das römische Recht an stch genau
genug verstanden habe«, noch wenn sie die ursprüngliche
Roßhirt, Zeitschrift. Bd. III. Heft 3 24

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