Full text: Volume (Bd. 3 (1839))

358 Neder de» Besitz nach dem Code und nach der dänischen
eS ist nur zu unterscheiden eine Verhandlung oberfiächliu -Art
. «der die RechtSbegründung von einer gründlichen Verhand-
lung über denselben Gegenstand. Dies höchst unnatürliche
Verhalrniß hat auch die neue badische Prozeßordnung, §.
754, nicht ändern können, und wenn man dabei eine Grenze
in den Beweismitteln hat finden wollen, *) z. B. in einer
sogenannten Rechtsurkunde, so hat man übersehe«, daß et-
was hinsichtlich der Bescheinigung eines RechtStitelS noch
stärker ist, als eine RechtSurkunde, nämlich die gesetzliche
Erwerbung selbst, wo mast gewiß im Besitze geschützt feyn
muß. Doch soweit muß cS komme«, wen« man die Natur
des Gegensatzes verkennt, oder wen« ein solcher künstlich
geschaffen ist. Will man einen Besitz bet den Rechten an-
nehme«, sv muß mau vom RechtStitcl ganz abfehe», «nd
kann höchstens bei gewissen Servitute«, z. B. den nicht con-
tivuirlicheü oder nicht in äußeren Vorrichtungen erkennba-
ren besondere Erfoderniffe der Ausübung, z. B. in einer
Zahl von Handlungen vertheilt auf eine gewisse Zeit auf-
stcllen; aber jeder weitere Schritt führt in das Recht selbst
und vernichtet damit die prozessualische Bcdeutttug deS Be-
sitzes. Eben jo verkehrt ist eS zum Besitze an sich zu erfo-
der«, was zum Berjährungsbesitze gehöre, weil hier wieder
nicht eine reine Präsumtion auS dem facto, sondern aus ei-
ner Art von Rechtsbegründung entsteht.
Hat daher der badische Gesetzgeber — namentlich «och
der Prozeßgesetzgcber — dem possessorischen Prozesse in Ser-
vitutsachen da- Leben nicht abgesprochen, so ist doch Alles
principloS, «sd weder die Sätze vud Unterscheidungen de-
Code in offene und selbstständige Servituten sind mit den Ge-
gensätzen brauchbar, noch überhaupt ist irgend eine feste Grenze
zwischen de« vorläusigeu und deßuitive« petitoria gestellt.
Alle feinere» Punkte de- römischen RechtS sind bet ei-
ner solchen Darstellung im Landrechte sowohl wie in der
Prozeßordnung ganz unerkannt geblieben, z. B. warum die
Bcsitzklage« bei de« Servitute« nur interdicta retinendae
possessioni» sind, wo die exceptio vitiosae possessionis
schadet. Ja i« der Thar ist in der Prozeßordnung überall
9) Ist aber anber« gehalten in der Prozeßordnung, §. 755, je-
doch kan« der Zeugenbeweis etwas tumultuarifch geschehe».

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer