Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 3 (1839))

315

Kurze Bemerkungen zur Lehre vom Betrug.
Lehre den wahren Standpunkt zwischen Betrug und Fälsch-
ung aufdeckt/a) — glaube ich doch, daß wir im Strafrechte
mehr dem Germanismus folgen und re«,», denselben durch
und aus sich und nicht chloS durch Codificariouen beleben
müssen.
I. Nach dem Rechte des deutschen Mittelalters hatte
man eigentlich nur die Urkundenfälschung, und daS englische
Recht sicht heutzutage noch dabei fest: har dann aber vor-
trefflich die verschiedenen Arten von Urkunden in der Be-
stimmung deS Verbrechens in Betracht genommen:
I. private papers, securities and documcnts: a) wills,
b) bilis and notes, c) undertakings, warrants and Or-
ders for the payement of money, d) deeds, bonds and
copyhold court rolls, e) receipts, 0 warrants, Orders
and requests for the delivery or transfer of goods etc.
g) false rooulds and plates relating to Bankers notes,
h) false Characters of Servants.
II. of public instruments in den verschiedensten Rich-
tungen.
Hiernach ist natürlich der defraudatorifchen Gesinnung
in andern Gegenständen ein sehr weiter Spielraum gelassen,
und die Strafbarkeit hat keinen sichern Gegensatz in dem
Begriffe der Fälschung. Fast umgekehrt hatte im römischen
Rechte die Jurisprudenz Alles an die lex testamentaria
(forgery of wills) angeknüpft, und alS quasifalsiun daS
erklärt, was die Engländer als gefährliche FraudationShand-
lungen cheat nennen. Darauf sind die Neueren in die
Tendenz gekommen, aus der Abstraktion der Fälle deS falsi
und quasifalsi einen Begriff von Fälschung zu bilden, waS
mißlingen mußte, sowie der lediglich in den Gegensatz ge-
stellte Begriff von Stellionat nicht weniger mißlang. Im-
mer geht aber soviel hervor, daß weder daS falsum «och
der Betrug nach der Wortbedeutung juristisch brauchbar ist,
den» falsch an sich bedeutet «ichtS weiter als etwas Unwah-
res auch bet den Römern,') «ad Betrug ist eine in arger
2) Auf dieser muß man immer zurückkommen, wenn man un-
ter Fälschung etwas anderes versteht, als Urkundenfälschung
— davon mehr unten.
3) falsus tutor ist der tutor, qui verus tutor non est.
*1* *

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer