Full text: Volume (Bd. 3 (1839))

314 Kurze Bemerkungen zur Lehre vom Betrug.
S) durch die verführerische Allgemeinheit deS römischen
StellionatcS.
ad 1 Man ging hier von der Unterdrückung der Wahr-
heit aus, suchte diese an äußeren Objecte»/ Sachen und That-
sachcn, oder in einem gewissen Benehmen; das erfterc nannte
man willkiihrlich Fälschüng, das andere Betrug. Damit
konnte Nichts herauskommen.
ml 2 Hier lehrte mau/ wo die Nl>t,0 doli angcstellt wer-
den könne, ist bei einem nicht unbedeutenden oder gefährli-
chen Betrüge die aeensalio ex stellionatu möglich. Nun
stritt man sich, wo die aetio doli angestellt werden könne,
ob die subsidiäre aetio, oder auch die nicht subsidiäre Con-
tractSklage gemeint sey u. s. w.
Die deutsche CriminalreckrSwissenschaft hörte bald nach
Carpzow auf, praktisch ;u scyn, und die deutschen Com-
pcndien, schon von Fr. Samuel Böhmer an, gefallen sich
in einer unfruchtbaren Generalität. Die Handbücher aber
wurden breiter getretene Compendien. Eine Sammlung tüch-
tiger Casuistik war nie da, vielleicht zum Glücke, weil man
sich leicht sonst in einen elenden ParticulariSmuS nach den
vielerlei deutschen Ländern hätte verlieren können.
Die Polizei wurde erbärmlich administrirt, und in der
Theorie wurde am allerwenigsten die Verbindung der Ver-
brechen und rügbarcn Handlungen, die gerade in dieser Lehre
so wichtig ist, beachtet. Glücklicherweise führte unS die An-
sicht deS Volkes und Lebens sichrer wie alle Bücher: was
im Sachsenspiegel steht, war so ziemlich Praxis bis in die
neueste Zeit.
Nunmehr aber droht mit der Codification eine Willkühr
hereinzubrechen, die, wenn noch dazu das Unglück deS Par-
ticulariSmuS kömmt, der deutschen Rechtswissenschaft nicht
nur gefährlich werden, sondern auch eine Menge Experimen-
rirungen am gesunden Leibe der deutschen Nation veranlas-
sen könnte.

§. 4.
Mit großer Liebe zugethan der Schärfe, Consequenz, Ra-
tionalität, sowie der niemals auf schwankenden Unterlagen
beruhenden Billigkeit des römischen RechtS/ die auch in dieser

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