Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 3 (1839))

Kurze Bcmeriiingcn zur Lehre vom Betrug. 313
Trug leben, naher karaktcrisircu, und im allgemeinen mit
öffentlicher Strafe verfolgen: endlich mag c6 scnn, das; man
einen bedeutenden Betrug in irgend einem Vertrage bestrafe,
sofcrne Schadcnö-Ersatz nicht geleistet wird. Aber alle diese
Punkte sind so verschieden, dasi mit einem allgemeinen Be-
griffe gar nichts anözurichtcn ist. Betrug kann auch in der
Sprache der Wissenschaft und der Gesetzgebung Nichts na-
hcrrS bedeuten, als eine fraudulose Beschädigung eines An-
dern .und wobei eö dann erst hinsichtlich der Strafbarkeit
auf eine Reihe verschiedenartiger Umstände ankömmt.
In solchen Punkten ist etwas an dem Satze wahr: null»
poena sine lege, d. h. der allgemeine Ausdruck (nämlich
Betrug) kann nicht das Verbrechen machen, sondern der im
Gesetze hervorgehobene aggravircndc Gesichtspunkt, unter
welchem das Unrecht geschehen ist. Unsre Strafrechtswissen-
schaft verträgt daher noch eine große Verfeinerung, indem
bei jeder einzelnen Gattung nnrechtlicher Handlungen das-
jenige hervorgehobcn wird, was sie zum Delikt macht, und
wobei es bald die Handlung an sich ist, bald nur die Hand-
lung unter gewissen Umständen und ausdrücklichen Voraus-
setzungcn. Im letzrern Falle sind diese Voraussetzungen ent-
weder gemacht, um die an sich schändliche Handlung nach
politischen Grundsätzen nicht immer juristisch zu verfolgen,
wie z. B. bei dem Meineid, oder sie sind gemacht, um da,
wo die Handlung auf der Grenze zwischen einfachem und
strafbarem Unrecht liegt, diese Grenze nach der intensiven
Richtung der Handlung zu bestimmen. Im ersten Falle
wird man den Satz nulla poene sine lege weniger anwen-
den können, als in dem andern.
Der Betrug, soll er Verbrechen seyn, muß durchaus nä-
her bestimmt fcyn, und nicht etwa eine Analogie zum Dieb-
stähle, nicht ein allgemeines Gefühl von Schändlichkeit mag
hler entscheiden, sondern lediglich bestimmtes Gesetz, bestimm-
te- Herkommen, bestimmte Jurisprudenz.

H. 3.
Zwei große Fehler sind bishierher begangen worden:
1) durch die Zusammenstellung des Betrugs mit der
^Fälschung;
' Roßhirt, Zeitschrift. Bd.III. Heft3. 21

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer