Full text: Volume (Bd. 3 (1839))

Ueber die Verlämndung.

„iknhcit wird von den englischen Gelehrten selbst anerkannt.
Dadurch wird abermals bewährt werden, wie zwar sowohl
das römische als -aS englische Recht auS dem Leben ausge-
bildct, daS erste aber viel rationeller ist. DaS englische
Recht geht von dem Unterschiede der Vcrläumdungen, die
bloS von Mund zn Mund geschehen, «nd der durch Schrift,
Druck oder Bild verbreitete» Vcrläumdungcn aus. Dieser
Unterschied lagt sich gut aufsicllcn, denn auch die Römer
fanden etwas darin, und die eine Art enthält gewiß ein
,'ibcrlegteres und planmäßiges, offenbar malitioseS Wirken,
während bei den Gerüchten Unverstand, Mißverstand, die
Sucht zu schwätzen, Andere zu belügen u. s. w- zum Unrecht
führen können. Allein schon Sir ManSficld machte die
richtige Bemerkung, daß dieser Unterschied nicht überall zu-
treffend sey, und ein wispernd Wort auf der Börse gefähr-
licher feyn könne, wie eine noch so weit verbreitete Scriptur.
Zusehen darf man, daß den Scripturcn, Druck- und Bilder-
wcrken leichter auf die Spur zu kommen ist, alS einem mir
vieler Bosheit verbreiteten Gerüchte. Und bedenkt man,
daß der hier so streng ausgestellte Unterschied dahin führen
soll, daß die blos mündlich verbreitete Verläumdung in der
Regel nicht gestraft werdendarf, sondern nur derLibell, so hat
diese Jurisprudenz mit Recht sogar die englischen Juristen
gegen sich ") Aber der von Einzelnen vorgeschlagene Weg,
die offenbar falschen und die durchdachten boshaften Ver-
läumdungen von den andern zu unterscheide«, wie Mord und
Todschlag, will uns auch nicht gefallen, wenn die letzteren
ganz ungestraft bleiben sollen. Dazu kömmt dann das Vor-
herrschende des Begriffes von Falschheit. Wir werden üb-
rigens bald erkennen, wie in unfern Tagen, wo feit Mon-
tesquieu selbst die Besseren eines beständigen Abstehlens der
englischen Weisheit sich schuldig machen, Alles verpfuscht
wird, wenn wir nicht wenigstens in gründlicher gewissenhaf-
ter Prüfung daS Resultat unserer Rcchtsquellc« mit dem
fremden Rechte vergleichen. RichtS ist schlimmer, alS die

>K) Dcacon Digest of the criminal law rol. II. pag. lalfi, sub
voce slander, UNd da- Hauptwort Thomas Starkie trealise
of ilie law of Slander and libcl. London »830.

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