Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 3 (1839))

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yeber die Derläumdung.
muß man eS dem Beleidigten leicht mache«, denn der Be-
leidiger und leichtfertige Entehrcr verdient gar keinen Schutz,
weil fein Benehmen an sich unwürdig und unanständig ist.
Ohnehin wird der Beleidigte, nicht geneigt etwas an die
große Glocke zu hängen, nur dann die RechtSverfolgung
verlangen, wenn feine Gegner sich selbst verurthcileN müssen.
ml 4.5. Man half sich sonst viel durch Verweise und dis-
ciplinare Zurechtweisung; allein in der, wie man sagt, mün-
dig gewordenen Welt paßt dies nicht mehr. Fragen sollten
wir, sind wir — unS so viel klüger alS unsre Dotältern
haltend, auch um so besser geworden! Aber am schlimmsten
ist eS, wenn der Staat das Band der Zucht, des Anstandes
und der Zurechtweisung nicht einmal an seinen Untcrbedien-
ten üben will, und cS so weit gekommen ist, daß nirgends
mehr Unterschied gehalten werden soll zwischen Herrn und
Diener.
Wo noch daS gemeine Recht wirkt, wird es möglich feyn,
daß die causa publica oder disciplinaris der causa privata
präjudicirt, wenn nicht durch besondere Umstände die letztre
die maior ist.

H. 23.
Practische Resultate.
Die Ansichten des auf römischer Grundlage bestehenden
gemeinen Rechts sind von der Art, daß eine neuere Gesetz-
gebung wenig oder RichtS beizufctzcn haben dürfte, wenn
nicht auf das den Römern unbekannte Verhältniß der Presse
Rücksicht zu halten wäre, und wobei man sieht- daß sowohl
die Römer in der Analogie zu den Libellen schon in der re-
publikanischen Zeit durch SenatS-Anordnungeü, als die Eng-
landet in ihrer Praxis einen strengen Weg mit Recht ge.
gangen sind, und wobei die Geschichte der letztere» beweißt,
daß die Preßfreiheit auf keine Weise leidet.
Jene Ansichten eoneenttiren sich in folgende Sätze:
1) Die Derläumdung durch eine falsche Anklage oder
Anzeige, natürlich einer strafbaren Handlung, ist vorhan-
de«, wenn der Ankläger oder Anzeiger im Augenblicke de-
gerichtlichen Auftretens nicht die volle» Beweise vor sich
hat, und nicht ob justam calorem oder dadurch entschuldigt
Roßhirt, Zeitschrift. Bd. M. Heft 3. SO

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