Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 3 (1839))

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Heber dic Derläumdung.

Nicht- macht — bürgerliches Gefängniß. Sowie man die
Rechtsmittel wannichfach vor sich haben muß, so auch die
Strafmittel. Nicht- wird der Welt nachtheikiger werde«,
alS das monotone System der Gefängnisse, besonders in der
überkünstlichen Verfeinerung unsrer Tage. Statt die höhe-
ren Stände durch Ehrcnstrafen und Interdictiones, die mitt-
leren durch tüchtige Geldstrafen, die niederen durch empfind-
liche (nicht barbarische) Gefängnisse zu zügeln: starr dem
Richter gcwiffermaffen in entsprechenden Fällen freizulaffen,
ex officio oder nach alternativen Anträgen das rechte Mittel
zu wählen: statt darauf zu sehen, dem Verletzten so zu hel-
fen, daß seine Rechtsverfolgung nicht als Rache, nicht al-
Eigennutz, nicht als schnöde Lust, sondern alS ernste und
versöhnende Strafe hervortrete, dagegen der Verletzer nicht
im Voraus wisse, daß nur ein Uebel ihn treffe» könne, was
er nicht anfchlägt: tritt das Gegentheil von Allem dem ein,
wenn man durch ein despotisches Gesetz dem Verletzten et-
wa- gibt, waS er nicht will, und dem Verletzer etwa- auf-
ladct, was ihn gar nicht oder nicht schwer drückt.
ad-3. Sowie man niemals hätte aufgeben sollen, Ge-
sängnißstrafen, Geldstrafen, mulctae und poenae privatae,
und wenigsten- in alternativer Richtung mit diesen Abbit-
ten oder Widerruf — Verweise u. s. w. anzuwenden, so
hätte man auch niemals für den Beleidigte« mehr als den
Beweis des lacti verlangen sollen, welches objeetiv eine
Injurie oder Derläumdung eonstituirr. Die Tendenz deS
Beleidigers anzugeben oder zu beweisen, ist eben so unnatür-
lich alS unmöglich, und Nichts andere- ist eS, wenn man
den Beweis deS böslichen Benehmens oder de- wissentlich
falschen u. s. w. verlangt. Im beßten Falle mag sich der
Angeklagte durch sein Ungeschick, durch sein unüberlegte-
Wesen, soviel eS gelingt, zu entschuldigen versuchen. Un-
richtige Vorstellungen vom dolus waren gewöhnlich die Ver-
anlassung t daß man jenen Beweis verlangte: in der That
giebr eS gar keinen allgemeinen Begriff vom dolus, sondern
da- Unrechtliche der Gesinnung stellt sich dar in der Art de-
Angriffs der Persönlichkeit oder de- Vermögen-, und unter
Umständen kann Murhwille« und Leichtfettigkeit die -rafbare
Gesinnung bilde». I» Injurien- und VerläumdungSfache»

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