Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 3 (1839))

lieber die Verleumdung. 895
1) unrichtig, alle Injuriensachen in den PrivatrcchtSwcg
und augschließend in eine Injurienklage zu verweisen,
2) unrichtig, die Strafe ohne Unterscheidung der Per-
sonen und Fälle in eine Gefängnißstrafe zu setzen,
3) unrichtig, das rechtliche Fundament so zu beschrän-
ken, daß rcr Beleidigte durch die Art des Beweises zurück-
gcschrcckt wird,
4) unrichtig, den von jeher herrschenden Gesichtspunkt
der Rüge ganz zu unterdrücken, besonders
5) wenn eine disciplina specialis in Betracht kömmt.
Im gemeinen Rechte gibt es
ad 1. die actio injuriarum civilis für körperliche An-
griffe und für die Verletzung des HauSrechtS (perpetua),
die actio injuriarum praetoria (annalis), beide auf Privat-
geldbuseN: die cognitio publica extra ordinem, eine Art
von polizeilicher Rüge, ferner eine quaestio publica, d. h.
eine wirkliche Criminalverhandlung aus dem SenaruS-Con-
fult bei boshaften Libellen und sonstigen weitverbreiteten
Verläumdungen, die Folge der Infamie für den Verläum-
der in allen diesen Beziehungen, die accusatio und actio
calumniae, die Aufgreifung als quasikalsum — nach der
Praxis die Klage auf Ehrenerklärung, Widerruf und Ab-
bitte, die im Geiste des diseiplinarifchen Systems der Kirche
eine Art von öffentttckcr SatiSfaetion gaben, das Gemüth
beruhigten, und den Verletzer immerhin an seiner Ehre an-
griffen und daher gerade da züchtigten, wo er verletzte —
unter einzelnen Ständen gab eS noch besondere Rechtsmit-
tel, z. B- Ladung vor die Zunftvorsteher, vor ein Ehrenge-
richt, Ausstoßung auS gewissen Verbindungen u. f. w. Und
selbst das mittelalterische Kampfrecht war ei« Rechtsweg
und verlor erst feine Bedeutung, entartete erst, als man von
Balgen und Raufen zu sprechen anfing.
ad 8. Nichts ist unheimlicher', als die Bestrebung der
Vernunftmänuer und praktischer Herren, die Welt nach Ih-
rem Sinne zu uniformiren. Solche Herren kennen die
Gesetze des menschlichen Geistes nicht, welchen sie einschach-
teln wollen: sie glauben eine Untversalmediein für alle
RechtSleiden zu finden, wen» sie ein Mittel aufstellen, dem
der Angesehene entgeht, uud auS welchem der Haufe sich

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