Full text: Volume (Bd. 3 (1839))

SSL

Ueber die Verleumdung.
ihn gedeutet: aber so recht mit Uebcrzeugung, daß Alles
erlogen sen, mag doch der Eine und Andere nicht gesprochen
haben, wenigstens ist eS ihm nicht in die Seele hinein
bewiesen.
O! ihr unglücklichen Priester der Gerechtigkeit, euer
Opfer ist kein Opfer des Geistes, da ist nicht einmal das
rationelle Simbol heidnischer Opfer im Hintergründe, son-
dern ihr seyd entweder Hammerschmiede in der Werkstätte
moderner Logik, oder noch schlimmer, Gesellen des Mephi-
stopheles.
b) Mit mehr Anstrengung ist man zu Werke gegangen,
um die objektive Seite der Injurie und Vcrläumdung zu
abftrahiren. Zuletzt Mittermai er gibt die drei Kriterien:
der Zweck und die Erzählung müsse dahin gehen
a) die Wirksamkeit der Einzelnen in der bürgerlichen
Gesellschaft zu lähmen,
a) -aS Vertrauen derselben im bürgerlichen- Leben zu
schwächen,
e) hie Befürchtung der Selbsthilfe.
In der ersten Beziehung ist er von der einen Seite der
Persönlichkeit ausgegangen, in der andern steht er hinüber
in Fälschung und Treulofigkeit, in der dritten hat er das
Duell vor Augen.
Richtiger ist immer noch die gemeine Meinung:
1) die Schimpf-Injurie fühlt Jeder durch das ge.
brauchte Wort,
S) die Verläumdung besteht in der Nachrede einer ver-
brecherischen oder die doneistas vitae verletzenden Thar oder
Unterlassung,
3) die Injurie, quae re fit, ist allein aus dem Zwecke
deS Handelnden zu inrerpretiren.
Die Wittermaier'fchen Karhegorien sind unzureichende
Palliative» um Freiheit und groben Exccß oder Frechheit
einander entgegen zu stellen, während der wahre Gegensatz
lautet, Freiheit uyd jeder Exeeß, jus et injuria. Laßt etwas,
weil eS ein MiSbrauch feiner Freiheit auch in -loser inho-
nestas ist, mit den Römern eine Injurie sey«, ihr be-
schränkt d-durch keine Freiheit: Laßt dem stolzen oder lcichr-
sertisen Schwätzer eine Demüthigung im ächt ethischen und

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