Full text: Volume (Bd. 3 (1839))

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lieber die Verläumdung.
genügt eigentlich , und nur die Unmöglichkeit — alle so Ge-
sinnten prozessualisch zu verfolgen, macht die Meisten frei
und wird leider immer bei schlechten Gerichten die Meisten
straflos machen, und die Verläumdung als eine Erbsünde
unter den Menschen erhalten.
Nicht einmal ein bestimmter animus nocendi gehört zu
der VerläumdungSabstcht, und die Griechen und Römer ha.
ben mit Recht unter öoXöc eine schlechte Gesinnung verstan-
den, unter machinatio ein Treiben, wobei man nicht offen
erkannt seyn will, und dicS schlechte geheime ist daS Gift,
welches jeder Vcrläumdcr in sich trägt.

Aus diesem Allen folgt, daß zum Beweise der Verläum-
düng mehr nicht gehört, alS
1) die Nachweisung der chrenkränkcnden Rede,
S) daS Zugeständniß des VerläumdcrS, daß er einen fe-
sten juristischen Grund seiner Erzählung nicht vor sich ge-
habt hat.
Alles Andere gehört zur Exeulparton, wobei die oben er-
örterten gewöhnlichen Ausflüchte nicht gelten können.
Daß der Verläumdete einen besonder» Plan, eine speeielle
Absicht, eine besondere Feindschaft, eine im Vorher schon
auSgedrückte bösartige Stimmung des VerläumderS darthue
oder wahrscheinlich mache, ist nicht nöthig, doch unter Um-
ständen sehr dienlich. Gesetzt, man will mit den Meiste» auf
den animus injuriandi Hinsehen, was wird dadurch in Sinn
und Wort dann auSgcdrückt? Eine Stimmung inhoneste,
hostiliter, animo infenso zu handeln, denn daS honeste
vive ist ein praeceptum juris, und die feindliche Gesinnung
ein dolus — eben der allgemeine Ausdruck des injuriare
zeigt dann, daß kein fpecieller Zweck, kein lucrum, kein
damnum, keine Rache, kein Neid u. f. w. in der Absicht
des VerläumderS nachgcwiefen zu fey» braucht. Auch im
Leichtsinn und dem «ngezähmten Muthwillen wird die inju-
riöfe, feindliche und unedle Stimmung hervortreten, obgleich
hier Manches von der eonereten Erscheinung des Verläum-
derS und der Verläumdung abhängen wird.

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