Full text: Volume (Bd. 3 (1839))

AN

lieber die Verläumdnng.
s) Welchem etwas als Privatgeheimnisi mitgctheilt ist,
-er ist, wenn er es weiter erzählt, und die Thatsachc falsch
befunden wird- an sich ein Verläumdcr, weiter sich auf
feinen Vormann nicht berufen kann.
§. 5.
Misiqrifs der neueren Zeiten in der Lehre von den
V e r l ä n m d n n g e n n n d I n i u r i e n (sieh rnckwärtö §. 2. 3.4 ).
Gewöhnlich wird angenommen, die Injurie habe keinen
objectiven Thatbestand, eine culpose Injurie sey nicht mög.
lieh u. s. w. Diese Sähe haben sicherlich etwas Wahres aus
dem Standpunkte fester Begriffe und logischer Durchführung:
aber in die AlltagSwelt gebracht sind sie gefährlich, denn
») eine Verläumdnng hat einen sehr objectiven Thatbe-
stand. DaS Nachsagen eincS begangenen Verbrechens, Ver-
gehens, oder einer Handlung , aus welcher eine vitae turpi-
tudo zu concludiren ist, ist cü, wenn nicht ein richterliches
Unheil vorliegt oder die Handlung notorisch oder sonst fest-
gestellt ist, was die Verläumdung macht. Auf einen fpeei-
ellcn Zweck kömmt gar Nichts an; also so recht objektiv
erscheint hier daS Delikt der Verläumdung.
b) Leichtfertigkeit, Schwatzhaftigkeit, böse Gewohnheit,
Unvorsichtigkeit, und falsche Auffassung einer Thatsache, die
man von verlässigen Leuten gehört hat — lauter kulpose
Sünden können der Verläumdung schuldig machen.
Unsere deutsche Schulweisheit wird am Ende zu lauter
Hieroglyphen, und der praktische Jurist lööt Räthfel mit ge-
schlossenen Augen auf, wo das Buch deS Lebens klar spricht.
Und überdies wird oft die Schulweisheit zum Gesetz und die
Gesetze, wenn sie nicht recht schlecht sind, sind nicht selten
mehr geeignet den Verstand des Praktikers einzuschläfern, alS
ihn zu wecken.
Also hört man oft r die Injurie ist kein Wesen von in-
discher Consistenz, sie ist ein schlimmer Geist, ein feindlicher
Dämon, der aus einem menschlichen Wesen ausgegangen ist,
und wenn der Jnjuriirte den Satan nicht leibhaftig ein-
fängt, so wird cr mit der Injurienklage zur Ruhe gewiesen.
Ganz konsequent ist eS dann, jeder Leichtfertigkeit, jeder
Schwatzhaftigkeit, jedem. Neidhart, jedem Schadeufroh ei«
Privilegium für fein schlechtes Gladiatoreufpiel juristisch

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