Full text: Volume (Bd. 3 (1839))

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lieber die Verleumdung.

gehen/ hinüber zu helfen/ einmal/ weil sich die Welt in
Schwatzereien gerne Nachsicht/ das andermal/ weil man im-
mer ein falsum oder den nuimus fulsi verlangte/ und hier-
auf entweder ein wesentliches Merkmal des Begriffs oder
eine entschuldigende Exceplion baute. Allein damit ist der
juristische Standpunkt der Sache sehr verrückt worden.
Wer
a) eine der Persönlichkeit des Andern nachtheilige That-
sache aussagt/ muß entweder von deren Wahrheit juristisch
überzeugt seyn, oder muß die Thatsache nicht als solche,
sondern nur eine Erzählung derselben diplomatisch ge-
nau so geben/ wie er sic empfangen hat und zwar mit be-
stimmter Angabe der Quelle und unter andern entschuldi-
genden Verhältnisse«/ wovon im tz. 10 ff.
d) die Nebcrzeugung von der Wahrheit / damit sie nicht
mit dem Dafürhalten Zusammenfalle / muß auf einem juristi-
schen Beweise beruhen. Wer diesen nicht für sich hat, also
weder Gcftändniß noch zwei glaubhafte Zeugen - die die
That wahrgcnommen haben, darf die Sache nicht so für
wahr nehmen, um sie als wahr weiter zu geben.
c) Will er die Thatsache nicht als wahr weiter geben,
so muß er dies ausdrücklich bemerken, aber, damit er nicht
Veranlasser eines Gerüchts werde, bis auf das Genaueste
die Umstände feiner Kenntniß angebcn, und sonst weder do-
lum noch culpam auf sich haben. Davon mehr §. 10.11.12.
d) . Erzählt Jemand etwas insbesondere alS bereits be-
gründetes Gerücht, so muß er nicht nur sagen, daß eS ein
Gerücht fcy, muß diplomatisch genau wiedergeben, waS
sein nächster Vormann gesagt hat, und muß, wenn er be-
langt wird, beweisen, daß das Gerücht wirklich zur Zeit
seiner Erzählung bestanden hat. Der Beweis wird etwa so
geführt, wie der Beweis einer bestehenden Gewohnheit.
Doch ist dies nur die bis hieher gewöhnliche, wie uns
scheint, nicht gehörig begründete Ansicht. Davon mehr §. 11.
e) Wer eine Thatsache als wahr , als glaubhaft, alS
Gerücht mit Brechung des Amtsgeheimnisses erzählt, ist
immer als Verläumder strafbar, wenn die Thatsache unwahr
ist: denn er hätte die Entscheidung «ach Amtspflicht abwar-
ten müssen.

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