Full text: Volume (Bd. 3 (1839))

2ö8 Vom Vcrtragssyileme des jetzigen gemeinen deutschen Rechts.
Beziehung, die hier unter den Partheien als gegenseitige
Schuldner entsteht, führt zn einigen Eigenthümlichkeiten.
Diese können nicht Vorkommen bei den Obligationen aus
Delikten, wohl aber bei den kraft Gesetzes oder Interpreta-
tion und GerichtSgebrauchS angenommenen. Die Römer
haben einige davon gleichsam als benannte O.uastcontractc
ausgestellt, indem sie ihre Acbnlichkcit mit bestimmten Con-
traetS-Obligationen nachgewiefen haben. Ebenso haben sic
einige Obligationen in der einseitigen Richtung wie De-
lietSbaftungen karaktcristrt und waS übrig bleibt, wird wie
ein Versprechen sowohl ausdrücklich z. B. bei der setio de re-
cepto wie stillschweigend z. B. bei der AlimentatienSobligatio
fingirt. Bei dieser Lage der Dinge aber thut man am besten,
wenn man in der practischcn Darstellung der einzelnen Obli-
gationen von dem Grunde der Obligationen ganz abstebt, und
nach dem Unterschiede der mutuellen und nicht mutuellen und
bei den letzteren nach der Verschiedenheit des ObjectS elassi-
ficirt Wir wollen aber gar nicht läugnen, daß auch daS
römische System, welches die einzelnen Obligationen nach
dem Fundamente darstellt, also in Contracten und Quasicon-
tracten, Delikten und Quasihelicten, auf einer rationellen
noch immerhin anwendbaren Idee verfährt und daher dasselbe
von den Verfertigern deS Code sogar in eine neue Gesetzge-
bung recht gut verpflanzt werden konnte.
Welche hohe Bedeutung nach diesem Allen die richtige
Einsicht der Vorstellungen über Vertrags-Obligationen auf
das ganze System der Obligationen habe, wird Niemanden
entgehen, und es dürfte daher der rechte Standpunkt feyn,
mit dieser Lehre die Revision der Grundsätze deS Obligationep-
rechtS sowohl in der Wissenschaft glö in der Gesetzgebung zu
beginnen.

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