Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 3 (1839))

256 Vom Vertragssysteme deS jetzigen gemeinen deutschen NechtS.
Das Resultat unsrer Darstellung über die neueren Gesetz-
büchcr dürfte hiernach wohl seyn / daß im System der Ver-
träge noch Vieles untereinander liegt/ und nicht einmal die
tiefere Bedeutung des römischen Recht« zur gehörigen Grund-
lage der neueren Arbeiten genommen lst *').
Schl«ßhctra chtring.
Ein gemeiner Fehler der neueren Legislationen ist: daß/
statt von allgemeinen Grundsätzen über Obligationen auözu-
gehen/ wo man die Bedeutung der klagbaren Vollzuhung/ die
Lehren vom Interesse/ von der Gefahr u. s. w. in ihrer prak-
tischen Richtung erkannt und als allgemeines Requisit einer
obligatio civilis geschätzt hätte • man gleich auf den Vertrag
gleichsam alö Grund -der ganzen Obligationcnlehre hingesehen
hat/ und von dieser einseitigen Basis auS/ statt von der inne-
ren Natur der obligatio Alles entwickelt hat. Man muß
Wirkung/ Gegenstand und Grund der obligatio wohl
unterscheiden. In Hinsicht auf die erste re mag man die
Klagbarkeit soweit auSdehnen als man will/ wenn man nur
Rücksicht nimmt a) auf die Vollziehbarkeit. In der That ist
damit Alles geschehen; Wo der Richter ein äußeres Interesse
sindcn/ und ästimiren kann/ da ist in der actio arbitraria daS
volle Recht gegeben. Sofort b) achtet man auf den Beweis
sowohl deö GrundeS/ als Gegenstandes als der Vollüehbarkeit
d. i. der aestimatio. ES ist möglich, daß man certa verba,
dicta vel scripta, certam rem, und dadurch certam aesti-
mationem als wesentliche Voraussetzung einer klagbaren obli-
gatio oder eines gewissen Prozeßes erkläre: allein wenn man die
hier uöthigen Vorschriften bloS mit Richtung auf die Erleichte-
rung deS Beweises bearbeitet/ ist schon genug geschehen, c)
May kann noch weiter gehen/ und die Obligationen wenigstens in
Ist») Winiwarter G- 28. sagt in Beziehung auf den wesentli-
chen Jrrtbum in den Eigenschaften der Sache: diejenigen
Eigenschaften/ welche der Natur deS Geschäfts nach vorhan-
den feyn sollen/ sind wesentliche. Ist aber damit wirklich
etwas gesagt? denn die abstracte Natur des Geschäftes kann
hier gar nicktS helfen, sondern nur die Intention der Par-
theien in concreto und dies drückt die Natur der römischen
bonae fidei negotia auS.

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