Full text: Volume (Bd. 3 (1839))

230 Dom Vertragssysteme deS jetzigen gemeinen deutschen Recht-.
Canonistcn daS Wort, und in einer fo praktischen Materie,
wie die Lehre von den Vertragen ist, sprachen sie im Gefühle
deS Voltö, wenn sie sagten: i'actr» servanda sunl. waS im
Grnndc auch der Prätor sagt, aber von der zur Klagbarkeit
gehörenden Perfectio,l die blosc Beziehung auf eine wahr-
scheinlichc klnrcdlichicit unterscheidet. Dabei ist nicht zu über-
sehen, das; die Jurisprudenz bei einer im allgemeines behaup-
teten Nuredlichkcir zu dem Zwecke der Vertheidigung sexee;»-
1,0 doli) leicht nach den Umständen und mit einer an sich bei dem
dolus nur möglicheti Wahrscheinlichkeit begnügend sich richten
kann, während daS Fundament eines Prozesses- wenn dieser
nicht ein Spiel für beide Theile werden soll - einer solideren
Basis bedarf. Darauf wurden freilich die Canonrsten nicht
aufmerksam- die an sich in Verträgen und Delietev gerne den
moralischen und den juristischen Standpunkt verwechselten.
Dabei war die Praxis in jener Zeit mit einziger Ausnahme
der reichskammergerichtlichen eine locale- fo daß daSVertragS-
rccht allerorten nach den particulare« Gebräuchen beurtheilr
wurde.
Als man nun im siebcnzehnten Jahrhunderte und weitet
tm achtzehnten auf den usus modernus .juris ttomani kam,
i nd merkte, daß man mit dem Pandectentitel de V. 0. Nichts
machen könne, da abstrahirte man aus den Localrcchten mit
den Germanisten und nahm das neue Naturrccht dazu, und
mißverstand de« römischen Begriff von pactum nudum. Offen-
bar hätte man bei jeder beabsichtigten Uebekeinkuuft Zweier
oder Mehrerer bai factum der erklärten Uebereinkunft in ei-
ner gewissen BkstättigUng der gegenseitig erklärten Absicht
suchen und finden sollen, also etwa in der bestimmten Aeuße-
rung: man werde sein Wort halten, «uvMebr sey die Sache
fest: man stehe für die Erfüllung - wobei die befondre Zußche-
ruag de- Interesses auf den Fall der Nichterfüllung, oder gar
einer Pön nicht minder Vorkommen kann, wie im römischen
Recht. Dadurch würde ein Unterschied von Borverhanblvng
und Schlttßfassung entstehen und die Intention der Paciscen-
te« in einer äußerlich wahrnehmbaren Richtung hervorrrete«,
indem der Kläger auf bestimmte Worte, oder auf sonst ein
bestimme- factum sich beziehe« und die Perfectio« dadurch
erweise» kan«. Hier bedarf e- dann überall feiner Form,

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