Full text: Volume (Bd. 3 (1839))

Vom Vertragssysteme deS jetzigen gemeinen deutschen NechtS. 885
diesem Systeme, wo Alles von der materiellen perfedio vo-
lunlalis abbängt, nnd wo man eigentlich den Gegcusg* von
Traetatcn als materiell imperfecte« Bercdungen und von Punc-
tationen, sowie von pacti« de ineundo pacto, als noch un-
vollkommener Perfection vor sich hat—nach diesem Systeme
wo Nichts ans die praesentia partium Nichts auf die aus-
drückliche Acceptation ankommen kann, so daß man schon ans
dem erstercn Standpnükte niemals sagen sollte: „bei uns scy ein
Vertrag wie eine Stipulation" und so, daß man aus den» an-
deren Standpunkte unbedenklich auch zu Gunsten dritter die
Vertrags-Inrcntionen klagbar erklären muß, fällt, recht an-
gesehen, Alles zusammen, was im Corpus juris vom Ver-
tragswesen vorkömmt; alle Hinweisung auf Stipulation,
Consensual-Contract, einfaches pactum ist vergebens, täu-
schend und verführend, jede Beziehung auf allgemeine Grund-
sätze über Verträge im corpus juris falsch, weil keine solche
da sind, und auf diesem Standpunkte also ist das Ehrlichste und
einzig Consequente, die ganze römische VertragSlchrc als auf-
gehoben zu erklären, und bei der Anwendung jedes einzelnen
Satzes aus dem römischen Rechte die Prüfung eintreten zu
lassen, ob und inwieweit er zur neuen Lehre paßt. Bis auf
diesen Augenblick hat man dies Alles nicht sorgfältig genug
erwogen: unser hochverdienter Hugo fertigt die Sache mit
dem Gedanken ab — jetzt ist jeder Vertrag wie eine Stipula-
tio — Andre sagen, jetzt ist jeder unbenannte Vertrag und
folglich jedes paetum nudum wie ein benannter klagbar, und
nur darüber könne Zweifel sein, ob bei zweiseitigen d. i.
mutuellen Vertrags-Obligationen der Standpunkt der Con-
sensual- oder der Real-Contraete in jenen Verhältnissen zu
nehmen sey , die nicht die unmittelbare Klagbarkeit betreffen.
Diese wollen dann daS römische Recht nur soweit beseitigen,
als es sich von der Klagbarkeit handelt, nicht aber weiter,
denn sie fühlen, welche ungeheure Untiefe sich eröffnen würde,
unauSfüllbar durch das Naturrecht, sowie durch die gemein-
rechtliche Praxis in Deutschland. Nimmt man endlich noch

131) Daher mit Recht hier von der österreichischen Gesetzgebung
als AufhebungSgrund die exceptio der veränderten UmstäN'
den zugelaffen ist.

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