Full text: Volume (Bd. 3 (1839))

Dom Vertragssysteme bei den Römern.

LN

konnte/ gleichsam bcstättigt war; und ein solcher l'los in con-
creto zu bcurtheilender contractus incertus war noch über-
dies auf dem stillen Gedanken derDisplicenz gestellt/ ausgenom-
men das prätorische Constitut/ und der Vergleich.
Auf diese Weise entging das römische Recht der gefähr-
lichsten Klippe im Vertragswesen nämlich: daß aus bloscn
Argumenten auf eine VertragS-Jntcntion ein klag-
barer Anspruch entwickelt werden dürfe.
Fünfter Abschnitt.
Von der Script ur bei Verträgen n a ch römi-
schem Recht.
Die Scriptur im römischen Vertragssysteme hat bei je-
der einzelnen Gattung der' Verträge ihre eigene Bedeutung.
A. Bei dem Verbal-Contract/ welcher inter praesen-
tes geschlossen werden mußte / bekam die Scriptur erst dann
besondre Bedeutung/ als auf concepta verba gar nichts
mehr ankam/ und man aus der Scriptur jedenfalls einsah/
daß ein ausdrückliches Versprechen über einen bestimmten
Gegenstand und dessen Annahme stattgefunden habe. Die
Form lag immer in der persönlichen unmittelbaren Abschließung
des Geschäfts/ die freilich auch ein in der Gewalt deS Bcthei-
ligten stehendes Individuum vornehmen konnte: und die
Scriptur war eine Versicherung des Inhalts deS Vertrags ,,2>
Die Scriptur scheint in dieser Richtung unter den späteren
Kaisern immer gebräuchlicher worden zu sei«/ aber an sich
konnte sie Nichts bedeuten/ sondern die Gegenwart und be-
stimmte Vereinigung der Paciscenten mußte vorausgesetzt wer-
den. Bei Bürgschaften und Schenkungen scheint die Scriptur
besonders vorgekommen zu sein/ aber weder als eigene Form/
noch als ausschließendes Beweißmittel darf sie hier aufgefaßt
werden. Ebendeshalb war bei Schenkungen es gleichgültig
inscriptis oder sine scripto zu schenke«/ aber vorsehen sollte
sich der Beschenkte/ denn wenn nicht die Schenkung alsbald

112) Natürlich sollte die Scriptur auch beweisen/ daß die al-
praesentes darin angegebene«/ wirklich praesente» waren.
Dies und Nichts mehr will die t. 14. Cod. 8. 38. Ganz
anders interpretirt diese Stelle Mare zoll in der Zeitschrift
III. Band S. 277.

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