Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 3 (1839))

Vom Vertragssysteme bei den Römern. 195
gattfinden soll, und indem endlich der vorbehaltenc Wieder-
ruf das commodatum in ein precarium umwandelt.
Feiner steht Alles bei den Conftnsualgeschäften.
Ideo autem istis modis obligatio dicitur consensu
contrahi: quia neque scriptura, neque praesentia omni-
modo opus est. ut nec dare quicquam necesse est, ut
substantiam capiat obligatio, sed sufficit eos, qui nego-
tia gerunt, consentire98).
Die scriptura bezieht sich hier offenbar anfdcn kurz vorauS-
gegangenen und von Justinian gewissermaßen allgemein ge-
machten Litcral-Contract; aber die Hauptsache liegt hier in
dem Gegensätze zur praesentia und zur praestatio. Ein Con-
sensual- Contraet ist daher derjenige, der inter absentes ab-
geschlossen werden kann, ohne daß e6 zur Perfcction auf die
Leistung eines Tbeils ankömmt. Die Erleichterung des Ver-
kehrs, die natürlichste Veranlassung der Erweiterung deS
Rechtssystems; die Begründung gültiger Obligationen inter
absentes, der Verhandelung durch Boten und Briefe, durch
Bevollmächtigte, und damit dieErklärung derBevoll-
mächtigten selbst als ein Consenfualgeschäft: dieS
stnd die inneren Gründe, aus welchen in gewissenBeziehun-
gen bei den Römern der Consensus juristisch wie promissio
und repromissio wirken sollte. Es ist noch nicht an der
Zeit, die Frage aufzuwerfen, ob eS nicht möglich fey, diese
erleichterte Richtung des Verkehrs zur allgemeinen und natür-
lichen VenragSobligatio zu erklären; aber gewiß ist, daß die
Römer bis auf Iustinian so nicht gedacht, vielmehr die
Consensual-Contracte als contractus certi auf gewisse Fälle
deS Vertrags beschränkt haben.
Am wichtigsten ist wohl die Richtung, daß bei den vier
Consensualgeschäften die promissio und wo ste vorkömmt, die
Gegenpromissio für eben so bindend erkannt werden, wie
bei der förmlichen promissio, wobei den Partheien über-
lassen bleibt, durch ausdrückliche Verabredung festzusetzen,
was ihnen beliebt: also auch das Rücktritsrecht; aber eS
versteht stch dann, daß wo jemand als a priori gebunden an-
gesehen wird, und zwar durch fein dem förmliche«

98) §. 1. last. 3. 23.

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