Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 3 (1839))

Vom Vertragssysteme bet den Römern. 155
tur einen besonder» anderen Zweck hatte, -er durch die
Stipulation nicht erreicht wird.
Im Uebrigen halte die Stipulation in der älteren Zeit
schon in den Worten z. B. spondes eine strengere Richtung
al6 in der späteren ite», dabis: aber wichtiger als diese
Fortbildung in der Erleichterung der Wortform ist die innere
Fortbildung vom strictum jus zur Aequität. Da wir an
einem andern Orte schon hievon gehandelt haben, so erin-
nern wir hier nur an ein paar Ausdrücke z. B. instipulari
dolo malo — ferner hinsichtlich der doppelten oder der ge-
genseitigen Stipulatio an daS restipulari.
Wenn noch zur Zeit des GajuS der Unterschied zwischen
den unförmlichen negotia und den aetus legitimi sehr
wichtig war, z. B. in der tutela mulierum, so ist kein
Zweifel daß, wenn auch die stipulatio weder ein actus
publicus wie die mancipatio, noch ein gerichtlicher Act,
wie die in jure cessio war, sie doch zu den actus sollen-
nes gestellt wurde, und cs würde dies der einzige 8« 85.
deS II. BuchcS in GajuS beweisen. Daraus sind wieder
vielerlei Folgen abzuleiten *): und daraus, sowie aus andern
eigentbümlichcn Verhältnissen der stipulatio kam eS, daß
man in den Provinzen die stipulationes und pactiones ei-
nander gegcnübersctzte.
Bei der stipulatio ist endlich wichtig, daß auf die ma-
terielle causa debendi Nichts ankLmmt, also das
rein das Versprechen ist, welches selbst streng nach den Wor-
ten interpretirt wird. Ebenso ist die acceptilatio ein modns
solvendi) wobei es auf den materiellen Modus der Solution
schlechthin nicht ankömmt — und in beider Rücksicht entstehen
die großen Vortheile, daß alle prozessualische Verhandlungen
über die materiellen Richtungen der Contrahirung und Sol-
virung abgeschnitten werden. Darauf bezieht sich bekannt-
lich die stipulatio Aquiliana zu dem Zwecke der nachfolgenden
acceptilatio.
Die verborum obligatio ist hiernach und in vielt» an-
dern erst später gelegentlich hervortreteode» Beziehungen et«

2) 8. v. baß kein Vorbehalt des einen TU\U Vorkommen konnte,
und ist bas Wort eondiüo auch hier wie «tceptio aufjufaffe».
11*

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