Full text: Volume (Bd. 3 (1839))

154 Vom Vertragssysteme bei den Römern.
Darüber kömmt man aber ein für allemal hinweg, wenn
Zweei und Absicht worthaltig gegeneinander ausgesprochen wer-
den, und darin liegt die Bedeutung der verborum obligatio.
I. A bschnit r.
v n d e r v e r I» o r u ni obligati o.
Die verborum obligatio ist Frage und Antwort, und
ein dadurch begründetes Versprechen sponsio, promissio.
Ob diese sponsio mit dem alten prozessualischen sponsiones
in einer Verbindung steht- ist nicht mehr zu untersuchen,
aber nicht ohne Wahrscheinlichkeit, theilö weil ursprünglich
jeder Gegenstand eines solchen Versprechens in eine poenae
promissio fixirt werden mußte, rheils weil, als nicht mehr
per sacramentum und per sponsiones agirt wurde, doch
der gerichtliche Zwang durch promissiones häufig war
(stipulationes necessariae). Gewiß aber ist, daß die
verborum obligationes LcShalb stipulationes hießen 0,
weil durch die hergestellte certitudo des Gegenstands und
der Vertragsintention eine condictio certi ursprünglich und
damit eine Sicherheit und Bestärkung begründet war. Das
Wort cantio" war allgemeiner und daher eigentlich gar
nicht technisch — weshalb eS sich nicht sowohl auf denPer-
feetionSaetus als auf den ProbationSaeruS z. B.
auf das Instrument bezog. Die stipulatio aber macht die
obligatio eivilrechtlich perfeet, ohne daß eS auf etwas Wei-
teres, also weder auf Leistung (res) noch auf gerichtliche
Form, wie bei der cessio in.jure, die ohnedies nur eia
UebertragungSaet von Rechten ist, ankömmt. Das könnte
gefragt werden, ob da, wo Seriptur vorgeschrieben war,
wie z. B. bei der kirchlichen Emphyteuse, nicht die Stipu-
lation ohne Seriptur die Perfeetion bewirken konnte, —
allein abgesehen davon, daß in dieser Zeit, wo die Seriptur
vorgeschrieben wurde, die Stipulation ihre alte Bedeutung
verloren baue, müßte die Frage verneint werden, weil auch
schriftliche Stipulationen damals verkamen, und die Serip-
" • , i *
1) Auf den etymologischen Streit wollen wir.unS^nicht einlassen.
Man vergleiche z. B. Cujucins at rit. de V. Ö. lom 1. pag.
1155 undHuschke, die Verfassung des Servius Tulliu-
S. 133. .

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