Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 3 (1839))

Crinünalrcchtliche Literatur.

151

sagen, ausschlieiisich ilmen angebörtc; sic baden unfern Ältesten
dtillscl'cn Cchrisrstellern über dieses Fach der Rechtswissenschaft
den Stoff geliefert, und umizekchrt haben sie später wieder die
bessere Metbode von F. S. Böhmer und andern angenommen;
gerade im vorigen Jahrhunderte haben sie sich durch Cremani,
N ena z ;i, N an i und Andere wieder besondere Verdienste erworben,
und unser Älcinschrod s,at im alten Archiv (dem ältesten eigent-
lich) gebührend darauf aufmerksam gemacht. Besonders merkwürdig
aber ist das vorliegende Lehrbuch des auch durch fein größeres in
italienischer Sprache geschriebenes Werk berühmtesten italienischen
Criminaliücn der neueren Zeit. Wenn überhaupt in Italien ein
veränderter Bildungsgang des CriminalrechtS gegen Deutschland
deshalb stattfand, weil das römische Recht nicht wie bei unS
dureh die Carolina in seinem Siege über germanische Gewohn-
heiten aufgchalren wurde, weil ferner in Italien der neuern Zeit
mehr die Philosophie und Denkart der Franzosen, als die philo-
fc”s tfd)c Critrk und Construktion der Deutschen vorwaltere, und
n;;i endlich die in deutscher Sprache geschriebenen Werke dorr
weniger bekannt sind, als die französischen und englischen; so iß
es anuehend durch das erwähnte Werk dennoch wahrzunehmcn,
daß aus den gemeinschaftlichen Quellen bei gesunder Bearbeitung
derselben, unter verschiedenen Nationen, ein gleiches Resultat zu
erlangen ist. Sowohl in dem Systeme als in den Einzelnheiten
finden wir dies Werk sehr gelungen und so ansprechend für Deutsche,
daß man darüber deutsche Vorlesungen ballen könnte. Besonder-
ist der prozessualische Theil sehr gut bearbeitet, und als allgemei-
ner The«! dem besondern vorgestellt. Der besondre Theil hält sich
sehr treu an die Quellen, und um nur Eines anzirfuhren, die
eben abgedruckte Abhandlung deö Hrn. Oe. Brackenhoft hätte
keinen bessern Gewährsmann finden können, als den Hrn. Car-
mignani, und Brackenhoft bereut gewiß mit mir, daß wir
in diesem Gegenstände den gelehrten Italiener zur Zeit, wo wir
unsre Abhandlungen schrieben, nicht gekannt haben. Sicher steht
das Criminalrecht in Italien nach dem Eindrücke dieses Werkes
höher als in Frankreich, und es möchte daraus gefolgert werde»
können, daß die neueren französischen Institutionen nicht zur
Beförderung der Wissenschaft beigetragen haben.
Der Unterzeichnete, der ohne die Ehre zu haben, Hugo'S
und Savigny's Schüler zu seyn, vielmehr an Feuerbach'S
Gesetzbuchs-Dogmatik iu der Schule und in der Praxis heran-
wuchs, hat zuerst unternommen, durch ein Lehrbuch diesen so be-
liebten Weg zu verlassen und gleichsam unter die Kahne der hist»-
rischen Schule zu treten. Allein er war damit keineswegs gemeint,
etwas anders zu leisten, als was lange vor ihm die besseren ertmi«
nalistischen Schriftsteller, z. B. Böhmer schon geleistet batten,
und sowie in der That Feuerbach von der einen Seite die
Theorie und Praxis von dem Schlendrian eines principlofen arbitrii

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer