Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 3 (1839))

148 Ueber Studium und Anwendung deS badischen LandrechtS.
wie man am Ende leichter die Literatur über das römische
Recht, die doch so viele Jahrhunderte alt ist, alS den Kram
moderner Weisheit in Gesetzsammlungen und breiten Com-
mcntationen von 30 Jahren, beherrscht. Darin bedauern wir
dann den badischen Praetiker, daß er in die wilde Fluth der
franz. Schriften sich stürzen soll, und d<»„ ihm darneben zu-
gemuther wird, auch den klassischen Sinn zu üben, und der
guten alten Jurisprudenz treu zu bleiben. Allein das Eine
muß man thun, und das Andre nicht lassen. Am zweck-
mäßigsten ist eS, sich zuerst durch die Gegensätze deS alten
Rechts, des RevolutionSzwischenrechtS und des vermittelnden
Code zu orientiren, worauf besonders Zachariä aufmerk,
fam macht, um so vorbereitet in die Casuistick der neueren
Literatur cinzutreten. Diese historische Richtung wird kein
denkender Praetiker verachten, so mißgestimmt die Praetiker
zn allen Zeiten auch gegen die historischen Juristen waren.
Ein Cujacius wurde bekanntlich von ihnen hart angegriffen,
aber eS war überflüssig, daß bei dieser Gelegenheit noch
Cramer den großen Mann durch einen Ausfall auf die Prae-
tiker rächen wollte 6).
Was die Anwendung des badischen LandrcchtS am meisten
erschwert, ist, daß wir kein führendes Handbuch darüber
haben. Mit Recht hat Zach ariä sich auf dem Boden deS
französischen RcchtS gehalten: Brauer har nur Andeutungen
seiner Wirksamkeit gegeben; aber zweierlei fehlt:
a) daß gezeigt werde, wie sich daS badische Landrecht mit
der Verwaltung und mit den übrigen Tbeilen des RechtS-
systemS namentlich aber mit den HülfSrichtungen deS
gemeinen römischen und deutschen RechtS in der An-
wendung bereits verbunden habe, oder konsequent ver-
binden muß,
d) daß inSbcsonder die Veränderung der eirnelnen Institute
durch den Geist her deutschen Rcchtsanwendung und

6) Er schreibt; Wie noch immer %ie Herr» Geschäftsleute die
' höchste» Brqbanter Gäule besteigen, wen» sie sich den Lehrern
des RechtS entgegenstcllen u. s. w. und sich allein die Gegen»
wart zu henrtheilen im Stande wähnen, so war es auch
damals.

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