Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 3 (1839))

128 Beitrag zur Lehre vom crimen de residuis.
crimen pecuniae residuae in den Quellen nirgends vor-
kommt.
Der Beamte, welcher in dem Verhältnisse steht, eine
pecunia residua haben zn können, ist gezeigtermaßen durch-
aus unfähig, in demselben Verhältnisse ein auferre, inter-
cipere oder in rem suam vertere vorzunchmen. Die Praxis
bezeichnet derartige Pflichtverletzungen der Beamten häufig
als „Vcrfur'. Welchen Begriff man mit diesem Worte ver-
bindet , darüber wird man eine befriedigende Auskunft sich
schwerlich verschaffen können. Wahrscheinlich hat indes; die
Benennung ihre» Ursprung in jenem: in rem suam vertere,
beim Peculat, und wurde sonach: ein einseitiges Verwan»
deln eines, im Sondereigenthumc deS Staats stehenden, oder
dem Staate zum Erwerbe deferinen, körperlichen (denn an
«»körperlichen Dingen ist dergleichen der Natur der Sache
«ach nicht möglich ^)), und also auch speciell bestimmten,
Gegenstandes in sein Vermögen, z. B- durch Confumtion,
bezeichnen. Einem Depositar einer species würde man
allerdings dergleichen vorwcrfcn können, aber ohne Sinn
ist es, wenn man einen Cassen-Beamten einer derartige»
Handlung beschuldigt. — Eben so wenig kann ein solcher
daS dem auferre und intercipere gleich stehende evertere
begehen, welcher Ausdruck insofern vorkommt, als von einem
iliesauriensis, dem das Erhobene nurum versiegelt zur
Weiterbeförderung zugcsendet wurde 90), der also in dem
Verhältnisse eines Depositars eines specicllen DingeS stand,
gesagt wird, daß er ei« eversor scy 91)-

R9) Denn die Natur unkörperlicher Dinge macht jede physische
Einwirkung auf dieselben unmöglich, und niemand kann einem
Andern einseitig solche entziehen. Vgl. L. 39. D. de negot.
gestis (3,5.) L 8. K. 5. io k. D. de novat. (46. §.). Nur eine
versio in rem mit Einwilligung deö Berechtigten, also eine
erlaubte versio, läßt sich hier denken. Vgl. L. 10. §. i. 2.3.
D. de in rem verse (15. 3.); eS fey denn daß sie in eine»
Betrug überginge; in welchem Falle aber das Entziehen keine
einseitige Handlang mehr feyn würde, indem eS sich nur so
denken liißt , daß der Berechtigte durch den Betrug zur Auf-
»ebung seiner Rechts veranlaßt worden.
L. C. de canone largit, titulor. (10. 23.)
w) L, 2. C. de palatinis saerar. largit, et rernm privat. (12.24.)

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer