Full text: Volume (Bd. 5 (1844))

Gavigny'S Pandekten.

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Wir für eine einseitige Reflexion. Wenn wir heutzutage eine
condictio gebrauchen, z. B. die condictio in«lebiti oder sine
causa etc. können wir auf Nebenleistungen Nagen? das cor-
pus juris verhindert uns durch klare Stellen daran. Anders
fteilich ist es im französischen Rechte, wo Alles als negotia
b. f. erklärt ist, und die Nebenleistungen überall sich von selbst
verstehen1#).
Wenn Savigny vom heutigen römischen Rechte spricht,
und in diesem Bande fast gar Nichts von der Auffassung gibt,
in welcher schon im 12ten Jahrhunderte das römische Recht
praetisch gemacht ist, z. B. durch die prozessualischen Schriften
jener Italiener, die die Borboten des neueren Prozeßrechts wa-
ren, Tancredi u. Andere, so müssen wir das Unzurei-
chende seiner Arbeit tadeln, die im beßten Falle nur den
Zweck hat, die Vorkenntnisse für die Exegese des römischen
Rechts zu geben, keineswegs aber das heutige römische Recht
darzustellen, obgleich in einem kurzen corollario sichtbar unge-
nügend davon gehandelt ist.
Der Wahrheit sind wir es denn auch schuldig, so groß
das Anerkenntniß ist, welches wir dem berühmten Verfasser
zollen, — zu bemerken, daß überall selbst die Literatur der
neueren Zeit, die zur Exegese des römischen Rechts dient, sehr
vernachlässigt ist, ja, daß wir sogar einzelne Urtheile finden,
die mit einer gewissen Schnödigkeit über die Ansichten Andrer
hingehen, z. B. der Pabst hatte verfügt, daß der Erbe schuldig
sey, aus dem ererbten Vermögen den durch die Delicte des Erb-
lassers gestifteten Schaden zu ersetzen; aber er hatte dieses nur als
eine Sache des Gewissens und im beßten Falle der geistlichen
Gerichte bezeichnet 10); und es ist hinlänglich bekannt, daß die
Anwendung canonischer Rechtssätze in das weltliche Recht nur
durch Gerichtsgebrauch und Gewohnheit erfolgt; wie will nun
Savigny in ein paar Zeilen beweisen, der Pabst habe sei-
nen Satz schon ab origine zu einem juristischen machen wol-

' *9) Savigny glaubt unsre Wissenschaft sei in diesem Punkte
unhistorisch, und unrichtig — allein wie kann man dieses
sagen, da das RechtSbedürfniß selbst vorliegt/ und eben darauf
das Gesetz doch gewiß über dasjenige geht/ was einige ihm
entgegen annehnieu.
?o) Man sehe die Erklärung des PabsteS zum Sachsenspiegel.

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