Full text: Volume (Bd. 5 (1844))

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Savigny'S Pandttten.

diese doch immer einen Punkt gewähren, in welchem des
Praktikers Urtheil festliegt: was wollen aber unsre wissenschaft-
lichen Werke, die wenn sie sprachlich und logisch noch so gut
concipirt sind, immer nur den Practiker auf neue Gedanken
und neue Irrwege führen.
veünitjo in jure periculosa, in lege certa. Wir
müssen allmählig wieder in eine bessere Richtung unsrer Dog-
matik kommen, selbst wenn dieses nicht anders möglich wäre,
wie durch die Gesetzgebung und Savigny'ö Buch ist noth-
wendig ein solches, welches den Practiker in seiner Bestrebung
nach einer neuen Gesetzgebung befestigen muß.
Historisch tüchtig aber practisch unverläßig — gelehrt und
zweifelnd — construirend und neugestaltend — die Vergangen-
heit lobend und tadelnd kommt man durch ihn tiefer in die
Skepsis hinein, wenn man kein unmittelbarer Schüler und An-
hänger des berühmten Lehrers ist, als selbst durch die Kant'-
sche Philosophie, deren Dogmatismus immer noch einen Aus-
gang hatte, wie Thibaut durch eine Reihe von Ansichten
bewicß, die wir aber gerade, weil wir den Verstorbenen so ge-
nau kannten, nicht alle loben wollen.
Man glaubt alle Fäden des römischen Rechts für erforscht:
gilt es aber zu wissen, was cs für uns bedeute, so halten wir
bloß an seiner allgemeinen Auctorität und sind im Einzelnen
höchst zweifelhaft und bange. Auch Savigny's neue Dar-
stellung befteit uns keineswegs aus dieser peinlichen Lage!
§. 13.
Im dritten Bande geht v. Savigny auf die Rechte der
Personen, aber nicht nach ihrem Gegenstände, wovon schon
ftüher die Rede war, sondern nach ihren Entstehungsgründen über.
Er bringt diese auf Successionen. und auf frete Handlungen
zurück. Allerdings ist es richtig, auf diesen Unterschied auft
merksam zu machen, und wir wollen ein neues Verhältniß an-
führen. Die cessio ist eine successio d. h. der Cessionar
hat actionem utilem, er hat die Rechte des Gläubigers, wenn
auch ii» wahren Geiste des Obligationenrechts die Verhältnisse
des «lebitor cessus nicht verändert werden können. Ganz et-
was andres ist die actio manckata, denn dieses ist keine suc-
cessio, sondern ruht auf einer fteien Handlung. In der er-

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