Full text: Volume (Bd. 5 (1844))

6. Encyclopädie der Rechtswissenschaft

Cncyclopädie der Rechtswiffenschaft

§. t.
Wie verhält sich die Jurisprudenz zur Geschichte der
Menschen und Natur und zur Kunst der Sprache?
(Poesie, Rhetorik.)
Unser Wissen ist Stückwerk: und die Wissenschaft selbst ist
eine in den Völkern liegende Gewohnheit zu denken, wel-
cher der göttliche Geist der Vernunft — die naturalis ratio —
mehr oder weniger innewohnt.
Selten wird die Wahrheit der menschlichen Handlungen,
und der innere Zusammenhang der Weltkörper dargestellt, doch
ist man in der letztem Hinsicht, d. h. in den physicalischen und
Erfahrungswiffmschasten treuer als in der Geschichte.
Die Geschichte wird vielfach verdorben durch die Eigenheit
der Gedanken des Historikers und durch die falsche Angewöh-
nung in der Darstellung. Poesie und Rhetorik sind die Gegner
einer wahren Geschichte. Nur da, wo weder Poesie noch Rhe-
torik ist, wo rein aus dem freien und sittlichen Zusammenleben
der Menschen und aus Sätzen, die aus dem Grundprincip der
Ethik logisch gezogen sind, die elegantia juris und demnach
eine Wissenschaft erscheint, ist die Jurisprudenz gegeben.
§. 2.
Wer hat die Jurisprudenz als Wissenschaft erfunden?
Sie war zu erfinden. Die Griechen waren der Poesie
und Rhetorik und den imaginären Forschungen der Philosophie
ergeben: die Römer ahmten mit Recht hier blos den Griechen
nach, um ihrer Sprache und ihrem Geiste höhere Kräfte zu
Roßhirt, Zeitschrift. Bd. V. Heft 1- 1

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