Full text: Volume (Bd. 5 (1844))

26 Encyclopädi« der Rechtswissenschaft.
kömmt in Deutschland die unglückliche wissenschaftliche Bestre-
bung beider Religionspartheien gegeneinander.
Im Lehenrechte sind zwei Verhältnisse höchst wichtig, a) ein-
mal die wohl erhaltene deutsche Ansicht, z. B. über Erwerbung,
Vererbung u. s. w., d) der Einfluß, welchen das römische
Recht auf die libri feudorntn frühzeitig übte, welcher aber
nicht so groß war, um diese ächt publicistische und deutsche
Lehre im römischen Sinne und Geiste zu verändern.
§. 23.
Wozu sind dir Practica gut auf de« Universitäten?
Derjenige, welcher eine feste theoretische Ansicht nicht ge-
faßt hat, und durch praetica lernen will, versäumt gewiß
seinen Zweck. Derjenige aber, der nur eine allgemeine Ansicht
von den Formen der Rechtsanwendung erhalten, und soferne
er früher keine Gelegenheit zur praktischen Anschauung der
Dinge gehabt hat, einen ersten Blick in sein künftiges Leben
thun will, wird Nutzen haben. Gewöhnlich aber fehlt etwas:
eine Darstellung der Beamten und Gehilfen der Partheien im
Leben eines jeden Staates; daher wir für dienlicher halten,
wenn auf den Landesuniversitäten ein Cursus über die Ge-
schäfte der Aeinter und über die practische Anwendung des
Rechts gegeben wird. Im Uebrigen hängen solche Practica so
sehr von der Individualität der Lehrer ab, daß hier auf der
Universität Nichts der Sache selbst, die unwichtig ist, als der
Person des Lehrers gebürt. Biele haben sich in der That besser
selbst unterrichtet, wie durch Vorlesungen.
§. 24.
Die «ameralisten.
Die Historie und Philosophie in Deutschland ist immer
noch zu viel Gelehrsamkeit; allein sie hat in der Anwendung
auf das Leben
a) einige Ueberspannung in gelehrten Werken der soge-
nannten Brodwissenschaften,
b) die meiste Wahrheit in der Persönlichkeit der Gelehr-
ten: und auch hier kömmt es wieder auf die Thätigkcit an,
die der Gelehrte ausübt. Der Schriftsteller und der Lehrer
müssen durchaus verschieden seyn.
Der Kameralist hat in der Politik der neueren Zeiten zu-

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