Full text: Volume (Bd. 5 (1844))

308 Abriß einer Geschichte der Quellen deS Wechselrechts.
beit ist. Gewiß ist es übrigens, daß es auch viele mündliche
von dem Verfasser nicht gesammelte Traditionen gibt, selbst nach
dem französischen Rechte, wo diese in Sachen der Dienstbarkei-
ten, des Mieth- und Pachtverhältnisses und der Handelssa-
chen ausdrücklich zugelassen sind. Soweit nun nicht mündliche
Traditionen Vorkommen, kann man in der That sagen, daß der
Verfasser alles Mögliche in guter Ordnung in einem Rechts«
theile zusammengetragen hat, der sich jetzt erst in seiner voll-
kommenen Bedeutung und mehr fast, wie ein anderer Ncchtstheil
als ein allgemeines Recht der Völker darstellen wird.
Was aber die mündlichen Traditionen angeht, so müs-
sen sie gerade im Handels- und Wechselrechte unsrer Zeit gel-
ten, und so sehr der codificirende Geist im französischen Rechte
weht, so hat man doch eingesehen, wie die mündliche Tradition
grade hier die Fortbildung des Handels- und Wechselrechts
bewirken muß.
Mit vollkommener Kunde der Sache spricht darüber der
Verfasser S. 17.
Allein von den mündlichen Traditionen in einzelnen
Rechts sä tzen ist dasjenige sehr verschieden, was nicht als
Synthese, sondern als Abstraktion erscheint, und worauf sich
der Verfasser mit Recht eingelassen hat. Die Abstraktion fin-
det fich entweder
»1 in einem Gesetzbuche, wie z. B. in dem franz. Code
de commerce, oder
b) in Lehrbüchern.
Das Erste nennen wir ein jus scriptum für die Länder,
wo das Gesetzbuch praktisch gilt, das andre aber, selbst wenn
man fich auf den Code berufen sollte, ein jus non scriptum,
denn der Druck thut hier Nichts zur Sache.
Auf diese Punkte hätte der Verfasser einige Rücksicht mehr
nehmen und also in den einzelnen Ländern darstellen sollen
1) was in Hinsicht der Abstraktion, d. i. der allgemeinen
Grundsätze des Wechselrechts im Gesetzbuche selbst liegt, also
zum jus scriptum geworden ist,
21 was noch als blose literarische Meinung, d. h. als
blos mündliche Tradition gilt.
So wären vielfach die gesetzgeberischen und literarischen
Verhältnisse zu unterscheiden gewesen.

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