Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 5 (1844))

lieber d, Verwandlung einer obligatio civili* in ein« naturalis. 279
kanonische oder deutsche Recht nichts abgeändert hat, denn wir
glauben, daß bei uns nicht mehr der Gedanke der obligatio
naturalis, d. h. der Ehrenpflicht entscheidet, sondern vielmehr
der kanonische und gernranische Gedanke der Gew.ssenspfl.cht.
Ost möaen beide Gedanken Zusammentreffen, oft aber auch mcht;
jedenfalls aber ist die Gewissenspflicht auf das Verhältmß der
christlichen Moral gegründet, und daher ist unmer zu prüfen,
was die christliche Moral hier lehre. Mit solchen Gedanken,
wie sie z. B. v. d. Pfordten §. 9. aufführt, das kanonische
Recht habe in der Lehre von der Selbsthilfe Nichts neues ver-
fügt, kann natürlich nach unfern Grundsätzen keineswegs die
Sache und unser practisches Rechtsverhältnis abgethan werden.
Oben haben wir zwei Punkte angegeben, nach welchen die
obligatio civilis als naturalis erhalten werde, nämlich:
a) wenn bei der Verleihung der exceptio ausdrücklich
gesagt ist, daß der Gläubiger nur nicht klagen könne,
b) wenn man, so ferne dieses mcht ausgedruckt ist, den-
selben Geist in der gesetzlichen Bestimmung selbst findet-
v. der Pfordten hat beide Punkte zusammengeworfen
nicht ohne gnten Grund, denn er hat durch diese Einigung für
einzelne Fälle Manches gewonnen was er sonst besser erst hatte
beweisen müssen. So ist namentlich sem dritter Fall so auf-
8 ^ Si poenae causa ejus, cui debetur, debitor libe-
ratus est, naturalis obligatio manet
und dieser Satz ist richtig in Hinsicht auf das M«eed*-
nianum: ob er aber auch richtig sey, hinstchtlich in 6 Falle,
die er S. 39. 40. anführt, und welche aus Constitutionen der
Kaiser kamen, ist noch zu bezweifeln. Allerdings "anülchgalt
auch in diesen Zeiten der altrömische Begriff der obligat«»
naturalis; allein die Schule und die Gesetzgeberder ka.s^-
lichen Auctorität unterschieden nicht mehr so streng , ^
vollkommenen Reprobatio» und der sogenannten
theilweisen Reprobatio«, v. d. Pf^dten sieht d'es^selbst
ein, will aber Alles dadurch rechtfertigen , d,e Ka h
die obligatio naturalis in ihren Coiistttutionen^"'cht gfacht,
folglich sie auch nicht aufgehoben!!! Besser M b£^|U;'
daß seit dem Aufhören der alten Zuristenschule m Z
nehmen der despotischen Gewalt der Kaiser

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