Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 5 (1844))

llcber d. Verwandlung einer odligat»» civilis in eine naturalis. 277
an bis auf unsre Tage aufgefaßt und ««gewendet hat 4 5\ Die
Analyse geschieht
») durch Herbeiziehung der Stellen des canonifchen und
deutschen Rechts,
b) durch die Eregese des römischen Rechts von den Glos-
satoxen und Neueren.
Die Synthese geschieht durch unsre Systeme (Pandecten-
systcme.)
In dieser zweiten Hinsicht sind vielerlei Controverse» ent-
standen, und dasjenige, was setzt als Dogmcngeschichte Vorkom-
men könnte, eristirt nur als Casuistik der Controverse».
Während für die Bearbeitung des römischen Rechts in
seiner ursprünglichen Gestalt Vieles auch in unsren Tagen ge-
schieht — wird in der zweiten Hinsicht wenig geleistet, und
Jahrhunderte haben hier noch ihre Beschäftigung.
§. 2.
In der neuesten Zeit ist man auf einen Abweg gekommen:
man hat neue Gesetzbücher versaßt, und in der That war die-
ses die Zerhauung des gordischen Knotens für die kommenden
Jahrhunderte^): und da die Sache einmal so ist, so darf die
Wissenschaft auch hier nicht Zurückbleiben; sie muß z. B. das
franz. Recht erklären und zwar
1) durch die Geschichte, welche dem Code vorherging,
2) durch die Controversen, welche sich bei der Anwendung
des Code erzeugten.
Auch dieser Punkt wird dem Leben nützlich seyn, nament-
lich wird sich so das alte römische Leben von dem neuen ger-

4) Oft ist ein römischer Rechkssatz unbistorisch aufgefaßt und
also angewendet worden, so daß jetzt nicht mehr die rich-
tige Exegese dcS römischen Rechts, sondern das neue Dog-
ma gilt.
5) Hierin liegt das Princip für die Beantwortung der Frage,
ob die Codisteation, d. h. die völlige Aufstellung eines neuen
RechtSzustandS gut scy oder nicht. Allein die Frage in der
Theorie zu beantworten, hat nach unsrer Ansicht gar kei-
nen Erfolg, denn die Codisteation geschieht niemals durch
die wissenschaftliche Einsicht, sondern immer Nur durch eine
politische Dictatur.

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