Full text: Volume (Bd. 5 (1844))

Eneyclopädie der Rechtswissenschaft. 19
Das germanistische Studium trägt durchaus den Karakter
des Publicistischen, ist der Grundton in der modernen Historie.
Publicisten und moderne Historiker haben nur ein Feld. Woll-
ten unsere Practiker nur daran feschalten, und nicht in die Parti-
cularitäten der einzelnen deutschen Länder, in die unmittelbarste
Praris Hinsehen, welche nur ein Resultat, keine Wissenschaft
gibt! Gerne ist zu begreifen, daß der Practiker, und der un-
gelehrte Beurtheiler der Rechtswissenschaft mit dem zufrieden ist,
was er täglich im Leben braucht, ja daß gerade im Reiche
der schönsten wissenschaftlichen Bestrebung Norddeutschlands der
derbste Empirismus entgegentrit, sollte er auch das Kleid
einer modernen Philosophie über sich gehängt haben. Warum
erzeugen diejenigen Länder, bei welchen die practische Bildung
die Hauptsache geworden ist, z. B. Oesterreich keine gelehrten
Juristen? Unglücklicherweise ist hier auch das öffentliche Recht
so partt'cularrechtlich, daß der allgemeine deutschhistorische Geist
verschwindet. Aber merkwürdig ist es, daß man in Oesterreich
römisches Recht studiert, als die Grundlage und Wissenschaft
des Rechts, während man deutsches Recht gar nicht behandelt,
zufrieden mit dem neuen österreichischen Rechte.
Der Germanist kann endlich nur Institutionen des neueren
Rechts geben, denn die detaillirten Ausführungen gehen zu sehr
in das Particularrechtliche hinüber.
Ueberhaupt hängt Manches auf den Universitäten von den
Bedürfnissen der Studierenden ab, z. B. man kann in Frank-
reich einen cours approfondi des Code geben, weil man keine
Pandecten gibt; in Deutschland ist dies unmöglich, vielleicht
auch unfruchtbar.
Einer der einflußreichsten und höchsten Männer in Europa
~~ man dürfte wohl den superlativus allein gebrauchen, hat
dem Verfasser dereinst in wahrer Weisheit gesagt: das Stu-
dium des römischen Rechts und das Studium des deutschen
Staatsrechts seyen die einzigen Grundlagen aller juristischen
Bildung in ganz Deutschland. Wo sie vernachlässigt wären,
da habe das wissenschaftliche Leben alle Wurzeln verloren.

dieses greift vielfach in das alte Römerrecht zurück, z. B.
bei dem Rechte an den vH- und üuminibüs publicis, fctc eben
aus dem Römerthum heraus Regalien wurden.
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