Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 5 (1844))

256 lieber die Einsetzung der sogenannten juristischen Personen,
bestimmte, nichts Bestimmtes in Hinsicht auf seine Erben —
quia non ex judicio veniunt. Der Eingesetzte, auch wenn
sich am Ende seine Person herausfand, ist nicht nach dem aus-
drücklichen Willen des Testators berufen; der Testator wußte
gar nicht, wer die Person sey, die ihn beerben würde: es fehlte
sogar an jeder den Testator überzeugenden demonstratio.
Daß eine solche Einsetzung Nichts gilt, wird erklärt, — quia
non certum est testantis judicium, doch darauf war ur-
sprünglich die Lehre von den incertae personae
nicht angewendet, obgleich man später die beiden Grund-
sätze des incerti judicii und der incertae personae ver-
mischte, nämlich in der Zeit, wo die eigentliche Lehre von den
incertae personae vernichtet wurde, das ist: die sogenannte
positive Lehre gewisser personae, was hauptsächlich die frei-
lich uns unbekannte Constitution Justinians de incertis
personis gethan haben mag,
b) der Testator dachte sich in einem Begriffe die Person,
und wußte schon durch den Zweck, wozu sein Vermögen ver-
wendet werden sollte: aber der Eingesetzte war keine physische
— keine individuelle Person, kein certum corpus, welches
durch die Unmittelbarkeit der Erklärung die Annahme der
Erbschaft hätte darthun können. Dahin gehörten nun oi) po-
stumi, ß) die sogenannten juristischen Personen. Die ersten
waren nicht in rcrum natura, wenigstens nicht da, wo der
Testator sich entschied oder starb: und die andern waren über-
haupt als physische Personen gar niemals aufzufassen. Daher
ist es auch erst später gekommen, daß, als man diese letzteren
Personen erbfähig werden ließ, man die einzelnen municipes,
oder eine Gottheit, die man als lebend ansah, und später zur
Zeit der christlichen Kirche — Christus oder einen Engel und
Heiligen als erbfähig bettachtete.
Das Resultat ist, die juristische Person war wohl eine
persona incerta in der zweiten Rücksicht; aber alles, was
davon abhing, war lange schon durch die Zulassung einzelner
juristischen Personen zur Erbschaft vernichtet, und der Gedanke
der incerta persona sollte hierauf durch eine justinianische
Constitution keine Anwendung mehr finden. Zwar wissen wir
dieses nicht gewiß genug, allein es dürfte aus der richtigen
Erklärung der 88.25 — 28. J. 2. 20. folgen, welche wir wett

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