Full text: Volume (Bd. 5 (1844))

namentlich der Stiftungen zu Erben. 255
Auch in der protestantischen Kirche ist dieses nicht abge-
kommen, besonders wurde die ganze Ansicht durch das Luther-
chum bestärkt und bekräftigt, wie man schon aus den neugebau-
ten lutherischen Kirchen sieht, z. B. in den Gemälden der Pro-
videnzkirche zu Heidelberg.
Aus diesem Allen geht genügend hervor, daß der Ausdruck
pi» causa, Stiftung schon im corpus guris so angedeutet
und in der Folge also erweitert ist, daß damit der Juristische
Bestand derselben und ihre Erbfähigkeit längst anerkannt wurde.
8. 10.
So ist es dann auch gekommen, daß die Praxis vieler
Jahrhunderte gar keinen Anstand nahm, die Stiftung als eine
erbfähige der Kirche oder dem Staate untergeordnete Persön-
lichkeit anzusehen, resp. anzunehmen, die Kirche oder der Staat
sep eingesetzt, und die Stiftung sey ein moctus, welcher der
Kirche oder dem Staate gesetzt ist, und wodurch eben das
Vermögen der Stiftung seine Selbstständigkeit erhält. Dies ist
der tavor piarum Causarum, von welchen man immer aus-
gieng, und wollte man ein Genehmigungsrecht des Staates an-
nehmen, so konnte dieses keine andre Bedeutung haben, als die
Frage zu lösen, ob wirklich ein wohlthätiger Zweck in der Stif-
tung liege, oder ob nicht umgekehrt etwas Sittenwidriges in-
tendirt werde. An eine dem Testamente vorausgehende Bestät-
tigung war gar nicht zu denken, und auch dieses drückte man
tvieder aus mit dem kavor testamenti.
Die neueste Streitfrage ist entstanden, weil man
1) den historischen Faden über die Entstehung und Be-
deutung der aus dem Mittelalter kommenden Stiftungen verlor,
2) weil man in unserm Geiste historischer Bestrebungen
)wei Dinge mit in Verbindung brachte, die Lehre von den in-
Certae personae, die setzt gar keine Bedeutung mehr hat,
und die Lehre vom postumus, die noch weniger zur Analogie
für unfern Fall dienen kann.

§. 11.
In der Lehre von der incerta persona hatte man zwei
Rücksichten:
a) der Testator dachte sich, indem er über sein Vermögen
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