Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 5 (1844))

844 Ucber die Einsetzung der sogenannten juristischen Personen,
dann der Begriff „pis causa“ gebildet, undihm der Stand-
punkt einer statio ecclesiae1*) gegeben.
Dies zu beweisen wird unten nicht schwer sepn. Die-Rö-
mer wußtm natürlich nichts davon, wenn sie auch gewisse An-
stalten der Wohlthätigkeit unter die Oekonomie der Kirche ge-
stellt hatten. Es ist also hier mit dem römischen Rechte Nichts
zu beweisen. Aber der Begriff „pia causa und Stiftung" mit
seiner ganz unbeschränkten Ausdehnung besteht nach dem cano-
nischen Rechte und dem allgemeinsten Gerichtsherkommen, und
wenn in der neuesten Zeit, namentlich in Deutschland, wo
schon der Confessionsstreit in vielen Städten Alles vernichtet
hat, nicht mehr die Kirche mancher Stiftung sich annimmt,
sondern der Staat oder die Stadt — so bleibt doch der juri-
stische Begriff der Stiftung, sowie das Wort und sein nicht juri-
stischer Sinn bleiben mußte, und damit auch dessen abgeleitetes
Recht der Erbfähigkeit.

.§. 5.
Diejenigen, welche mit der Bildungsgeschichte des neuesten
Privatrechts nicht vertraut sirid, glauben, daß, wenn im römi-
schen Rechte nur die Ortsarmen, oder gewisse Institute für Kranke,
Waise und Unbeholfene der Kirche unterworfen waren, man
sich daran halten müsse, und so raisonnirtMühlenbruch "),
welcher das erst zu errichtende Waisenhaus des Landrent-
meisters Blum anerkennen will, weil sich dieses nach dem
Codex Justinianeus rechtfertigen lasse, der aber Unterrichts-
und artistische Anstalten nicht anerkennen will, weil darüber
Nichts im Codex Fast, stehe. Ebenso äußern dann dieselben
Männer Md Gelehrte, daß, da jetzt die Kirche keinen allge-
meinen Einfluß auf die geistige Wohlthätigkeit, auf Wissenschaft
und Kunst habe, vielmehr die Staaten und Städte diese Haupt-
kraft ihrer Wirksamkeit zu ihren egoistischen Zwecken verwendet
haben, die auf reine Wissenschaft und Kunst tendirenden An-

is) Besser nennt man dieses im kanonischen Rechte eine fabrica,
wovon weiter unten, denn pia causa ist nach dem Zwecke
befHmtnt, fabrica ist eine nach dem Vermögen oder Gegen-
stände bestimmte univeraita* rerum.
14) 40. Band S. 89 ff.

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